US-Haiti-Flüchtlingsjäger
Haiti: Obama nimmt Kuba von
Hinten, zusammen mit Bush und Clinton: Über Haiti, all das was man nicht wissen
soll; Die Drei in einem Landungsboot - in der allergrößten Not die
Schweinebucht- noch Mal versucht -
nach letzten Meldungen sollen die
US-Soldaten zunächst Mal den Präsidenten Palast besetzt haben, was die
HaitianerINNEN zurecht entsetzt hat, sie verteilten nämlich weder Wasser noch
andere Lebensmittel, machten auch keine Erste Hilfe oder gruben nach
Verschütteten: aber der etwas US-hörige Präsident findets als Ordnungsmaßnahme
OK. Anders der erste nach dem Sturz der US-Marionette Diktator-DocDuvallier
demokratisch gewählte Präsident Haitis -Aristide, den die USA aus dem Amt
putschen ließen. Der verurteilt die Landung von ca. 10.000 US-Soldaten als US-Okupation
-( siehe auch die mit einem Tag Verspätung ausgelieferte JungeWelt zur
Palastbesetzung!)). Wie in Pakistan, Peru usw.. sind auch in Haiti kubanische
Ärzte-Teams in mehrhundertfacher Stärke sofort vor Ort und immer dort, wo man
mit hightech und schwerem Gerät nicht hinkommt oder in den schlimmsten Zentren
in den Städten.. Ebenso schnell sind die Teams aus Venezuela und - aus der VR
China !!.
Die US-Antwort darauf ist die
Invasion durch 10.000 US-Marines unter dem UnterOberkommando von Clinton und
Bush und dem Ober OberKommando Obamas.
Hillary Clinton hatte sofort
nicht etwa Hilfe geschickt,
sondern erst Mal gewartet, bis der Präsident solche zu ihren Bedingungen
anfordert. Deshalb hat der ja auch die Besetzung “seines” Palastes als OK erklärt.
Die erste Maßnahme der
US-Außenministerin war die Vertärkung der Küstenwache gegen einen befürchteten
Flüchtlingsstrom aus Haiti. (da könnten ja auch Freunde von Aristide dabei
sein!!)
Nach Beratungen mit Breszinski
hat das Weiße Haus jetzt -”Die
Katastrophe als Chance” nutzend - den genialen Plan eines “Flüchtlingslagers
auf Guantanamo” gefasst: hier
sollen ausgesuchte Flüchtlingskontingente nach bewährter Methode behandelt
werden - so wie hier schon die ExilUiguren zum Einsatz am Rande der VRChina -
für den Einsatz französisch-spanisch-sprachiger Schwarzer in Zentralamerika und
in der Karibik, in Lateinamerika insgesamt, aber auch in großen Teilen
Schwarzafrikas braucht man reichlich Nachschub, denn die eigenen Schwarzen sind
so nicht mehr so gut zu gebrauchen, wenn sie aus 50 Kilometer Entfernung noch
als US-Soldaten & “middleclassarrived-blackbewatered” zu identifizieren
sind. Der gemeine und dann auch zivilisiert-dankbare Haitianer eignet sich da
besser. Welcher Kubaner kann ihn von seinen Landsleuten unterscheiden ?
Seit Jahrhunderten wird Haiti
systematisch verarmt und seit 1806 haben sich die USA massiv-aktiv daran
beteiligt .. und die gesamte
Karibik kann davon ein LeidensLied aber auch einige Befreiungslieder dagegen singen.
Das fürchten Obama und seine kapitalen Hintermänner. Der Diktator Duvallier war
auch ein Schwarzer - von kapitalen Gnaden…
Über viele “exotische Adressen”
erfährt man vieles von dem, was uns die MassMedia-MainstreamMedia verschweigen:
von dem Australier Max Watts, einem alten Freund von Franz-Josef Degenhardt,
als es um die Fluchtorganisation für US-Deserteure ab 1964 und schon davor in
K-Town, Ramstein, Hanau. Heidelberg, Babenhausen, Wiesbaden, Frankfurt Richtung
Schweden ging - oder von dem deutsch-holländisch-türkischen Politik-und
Religionswissenschftler, Historiker, Soziologen und Philosophen Samy Yildirim
(naja türkisch ist er nicht, so viel ich weiß, ist er in Köln geboren, wo sein
Vater bei Ford vernutzt wurde) . Ylidirims Arikel erscheinen meist zunächst in
Englisch, dann auch auf Deutsch und Holländisch .. wenn ich zeit habe, werde
ich denfolgenden text über Haiti auch noch schnell ins Deutsche übersetzen,
wenn er mir nicht hoffentlich zuvorkommt. Ansonsten einfach nach Samy Yildirim
durch scrooglen oder -googlen. Samy Yildirim ist ein Mitglied von Tlaxcala, dem
Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt.
Bisher habe ich einfach nur
einige mails zum Thema gesammelt und hier angehängt. Man muss sich nur etwas
durchlesen. Und zunächst noch auch etwas Englisch verstehen. Aber es sind
mehrheitlich deutschsprachige Texte
ALs Worming Up zunächst aber noch
ein Brief des GOTTSEIBEIUNS im US-Public Intelligence Blog an den
US-Fundamentalevangelical-Prediger Pat Robertson, der schrieb, dass die
Haitianer einen pakt mit dem teufel geschlossen hätten. Jede Katastophe hat
eben auch ihre lustigen Seiten und nicht nur Breszinskis Chancen: (Dank an
www.SteinbergRecherche.com für das fahndungsfoto und den Hinweis auf PIB und
Pat ... weiter--> http://www.barth-engelbart.de/?p=513
Ergänzend dazu dieser Artikel vom
Centre for Research on Globalization:
http://www..globalresearch.ca/index.php?context=va&aid=17115
Hier sind zwei von HaBE
übersetzte Abschnitte aus dem Artikel:
“Während die USA zahlreiche
Hilfsflüge vom Port-au-Prince Flughafen abweisen, kreist jeden Tag eine US Air
Force Frachtmaschine für Stunden über Haitis verzweifelter Bevölkerung und
verbreitet die folgende Nachricht (im kreolischen Radio): ‘Hört zu, geht nicht
zu den Booten, verlasst das Land nicht. Wenn ihr das tut, werden all unsere
Probleme noch schlimmer. Wir sind ehrlich mit euch: Falls ihr denkt, dass ihr
die USA erreichen könnt, dass euch dort alle Türen offen stehen, liegt ihr
falsch. Wir werden euch im Wasser abfangen und dorthin zurückschicken, wo ihr
hergekommen seid.”
“Die US-Botschaft in Haiti
behauptet, dass es wegen der Sicherheitslage unmöglich sei, Hilfe unter die
Menschen zu bringen. Bis jetzt ist jedoch kein einziger Retter von den
Überlebenden angegriffen worden. Die Dienstagausgabe des Wall Stree Journals
stellt fest: ‘US-Funktionäre machen Sicherheitsbedenken für die Verzögerungen
verantwortlich. Trotzdem wurde am Montag ein Team kubanischer Ärzte, das
Hunderte von Patienten ohne militärischen Schutz behandelte, gesehen..’ Selbst
wenn diese Gefahren existierten, würde sich Frage stellen, was das Militär
überhaupt in Haiti macht, wenn die Soldaten weder Vorräte liefern noch denen
Schutz bieten, die genau das tun.”
Ich könnte heulen vor Wut. Das
ist zwar nicht besonders konstruktiv, bietet sich aber angesichts der
eingeschränkten Möglichkeiten zu helfen als Ventil an.
Kerstin
(HaBE: ich kann gar nicht so viel
Essen wie ich kotzen muss. Es ist noch schlimmer als ich dachte)
"Klaus E. Lehmann"
Solidarität statt Militär
ALBA-Länder protestieren gegen
US-Strategie nach Erdbeben in Haiti. Präsident Préval dankt Hugo Chávez für
UnterstützungVon Kerstin SackPort-au-Prince. In Haiti findet zurzeit eine
militärische Besetzung durchdie USA statt. Die Aktivitäten der Großmacht stoßen
bei der Bolivarischen Allianz für Amerika (ALBA) auf Ablehnung. Der
venezolanische Präsident Hugo Chávez sagte am vergangenen Sonntag in seiner
Sendung Aló Presidente: "Man hat den Eindruck es herrscht Krieg in Haiti.
Die Menschen brauchen Hilfe und kein Militär!" Boliviens Präsident Evo
Morales forderte wegen der militärischen Besetzung Haitis durch die USA eine
Sondersitzung der Organisation der Vereinten Nationen (UNO). Während die USA
auf das Militär setzt, wollen Kuba, Venezuela und andere Länder Lateinamerikas
die Priorität auf die Akuthilfe und die Unterstützung des Wiederaufbaus legen.
Haitis Präsident René Préval bedankte sich in einer Rede für die Hilfe aus
Venezuela und insbesondere bei Hugo Chávez. "Er versteht, dass die
Süd-Süd-Kooperation sehr wichtig ist. Sie halfen uns schon vor dem Erdbeben
beim Hausbau, in der Landwirtschaft und beim Bau des neuen Flughafens.
"Haiti ist auch Mitglied von PetroCaribe. Der 2005 auf Initiative
Venezuelas gegründete Staatenbund hat die Zusammenarbeit im Energiebereich zum
Ziel. Neben dem Bezug von Erdöl zu günstigen Konditionen werden durch den
ALBA-Fonds soziale Projekte gefördert. Port-au-Prince profitierte von dem
Vertrag bisher durch den Bau eines Stromkraftwerks, Hilfe beim Bau von Häusern,
Entwicklung der Landwirtschaft und medizinischer Hilfe. Aus Kuba arbeiteten
schon vor dem Erdbeben 400 Ärzte in Haiti, auf Kuba werden außerdem junge
Haitianer zu Medizinern ausgebildet. Venezuela hat schon große Mengen an
Hilfsgütern nach Haiti geschickt, darunter neben Medizin und Kleidung bereits
700 Tonnen Lebensmittel. Eine Lieferung von 225.000 Fass (159 Liter) Treibstoff
und Benzin ist per Schiff unterwegs, um die Knappheit an den Tankstellen zu
mindern. Wiederaufbau-Spezialisten arbeiten in einer Brigade mit Spezialisten
aus Haiti zusammen. Auch aus Kuba trafen weitere Ärzte und Spezialisten sowie
Hilfsmittel ein. amerika21.de – 21. Januar 2010
Unter Zwangsverwaltung
PORT-AU-PRINCE/WASHINGTON/BERLIN(Eigener
Bericht) -
Kritiker warnen vor einer
erneuten Kolonialisierung Haitis mittels der globalen Unterstützungsmaßnahmen
nach dem dortigen Erdbeben. Die internationale Hilfe für Haiti sei
"dringend notwendig", dürfe aber nicht für "neokoloniale
Einflussnahme" durch die USA und die EU missbraucht werden, fordert die
Bonner Informationsstelle Lateinamerika, die seit 35 Jahren über die
Entwicklung auf dem Subkontinent berichtet. Überlegungen, die
polizeilich-militärische Präsenz von US-amerikanischen Truppen und
EU-Polizisten auf Dauer aufrecht zu erhalten, werden tatsächlich in den
westlichen Machtzentralen diskutiert. Man benötige "eine Methode, schlecht
funktionierende Länder wie Haiti unter internationale Zwangsverwaltung zu
stellen", heißt es bei US-Think Tanks; die offene Übernahme staatlicher
Aufgaben in Haiti durch die westlichen Großmächte hat inzwischen begonnen.
Berlin, das in Südosteuropa umfangreiche Erfahrung mit Protektoraten gesammelt
hat, ist in Haiti eher in zweiter Reihe involviert, beteiligt sich aber
gleichwohl am Vorgehen der westlichen Mächte - im Rahmender EU.
Zerfallender Staat
Die Bonner Informationsstelle
Lateinamerika (ila), die seit 1975 die Entwicklung auf dem Subkontinent
beobachtet, warnt vor einer weiteren Aushöhlung der haitianischen Souveränität.
"Internationale Hilfe für Haiti ist dringend notwendig, aber sie darf
nicht zu einer erneuten Kolonisierung Haitis führen", schreibt die
Informationsstelle. Insbesondere die Einordnung von Ländern als
"zerfallender Staat", wie sie jetzt auch für den Karibikstaat
vorgenommen werde, diene "zur Legitimation jeglicher neokolonialer
Einflussnahme".[1] Die Folgen seien meist fatal: Das zeigtendie westlichen
Interventionen der letzten Jahre von Somalia über die Demokratische Republik
Kongo bis Afghanistan, wo Frieden und eine Besserung der Lebensumstände nicht
erreicht werden konnten. Auch auf Haiti habe die Stationierung von UN-Truppen
im Jahr 2004 keine Fortschritte gebracht; von einem Ausbau der Besatzung sei
daher nichts zu erhoffen.
Kontrollmechanismen
Dass die Warnungen im Falle
Haitis besonders begründet sind, belegen mehrere Analysen der vergangenen
Jahre, die die Informationsstelle Lateinamerika in einem Dossier bereitstellt.
Demnach liegen zentrale Ursachen für die schon vor dem Erdbeben eingetretene
Verschlechterung der Lebenssituation in Maßnahmen der westlichen Großmächte
begründet, die unter anderem mit Hilfe der in Haiti stationierten UN-Truppen
(Mission des Nations Unies pour la stabilisation en Haïti, MINUSTAH) das Land
de facto beherrschen. So urteilte ein haitianischer Wirtschaftsprofessor
bereits im Jahr 2006: "Die sogenannte 'internationale Gemeinschaft', das
heißt die Interessenvertretung der Großmächte, hat Kontrollmechanismen
entwickelt, mit denen sie die strategischen Entscheidungen des haitianischen
Staats in der Hand hat."[2] MINUSTAH selbst ist mit schweren Vorwürfen
konfrontiert, seit die Truppe mehrere Massaker in Armenvierteln der
haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince begangen hat.[3] Deutschland hat
bislang zwar keine Soldaten nach Haiti entsandt, unterstützt MINUSTAH aber mit
nichtmilitärischem Personal - und ist zudem über die EU präsent.
Prioritäten
Wie sich Beschlüsse der
westlichen Großmächte zum Nachteil Haitis auswirken, zeigt exemplarisch eine
Analyse, die die Informationsstelle Lateinamerika im Jahr 2007 veröffentlicht
hat. Darin werden unter anderem Infrastrukturprojekte der EU beleuchtet. Die
Regierung in Port-au-Prince hatte dem Ausbau des Hauptstadthafens prioritäre
Bedeutung beigemessen, große Teile der Bevölkerung wünschten einen Ausbau der
Infrastruktur auf dem Land. "Aber die EU zieht den Bau einer großen Straße
zwischen Haiti und der Dominikanischen Republik vor", heißt es in der
Analyse. Über die Straße solle der Export von Produkten in die Dominikanische
Republik abgewickelt werden, die aus den USA nach Haiti gebracht und zur
Ausfuhr bestimmt seien; für Haiti falle dabei so gut wie kein Profit ab.
Umgekehrt sollten Agrarfirmen aus der Dominikanischen Republik über die Straße
ihre Güter nach Haiti transportieren und dort verkaufen - zum Schaden haitianischer
Bauern [4] Mit solchen Maßnahmen trage Brüssel zur Zerstörung der
Landwirtschaft in dem verarmten Karibikstaat bei.
Dominant
Wie das Auswärtige Amt bemerkt,
spielen derzeit in Haiti trotz aller Bemühungen der EU die Vereinigten Staaten
"eine politisch und wirtschaftlich dominierende Rolle".[5] Die
Außenhandelszahlen verdeutlichen dies: Haiti bezieht rund die Hälfte seiner
Importe aus den USA; etwa 80 Prozent seiner Ausfuhren werden in die USA
verbracht. Die Obama-Administration hat bereits im Frühjahr 2009 begonnen,
ihren Einfluss in Haiti zu verstärken und defacto mitzuregieren. Nach
Gesprächen von Außenministerin Hillary Clinton mit dem demokratisch gewählten
haitianischen Präsidenten René Préval im April ernannte der Generalsekretär der
Vereinten Nationen den ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton zu seinem
Sondergesandten für Haiti. Clinton ist dafür zuständig, Wirtschaftsprojekte und
Investitionen in dem Karibikstaat anzusiedeln; das sind Tätigkeiten, die in
souveränen Staaten der Wirtschaftsminister erledigt. Die Übernahme staatlicher
Aufgaben, etwa der Flughafensteuerung, nach dem Erdbeben setzt die bereits
vorher begonnenen Bemühungen fort, Haiti der direkten Kontrolle Washingtons zu
unterstellen.
Intensiver Austausch
Neben den USA hat auch die EU
nach dem Erdbeben ihre Aktivitäten in Haiti verstärkt. Treibende Kraft ist vor
allem die ehemalige Kolonialmacht Frankreich, der das Auswärtige Amt nachsagt,
von allen Ländern der EU "der wichtigste Partner Haitis mit intensivem
Besucheraustausch auf politischer und administrativer Ebene zu sein".[6]
Bis heute zählt Frankreich den Karibikstaat wegen seiner kolonialen
Vergangenheit und wegen des dort gesprochenen Französisch zu seiner
unmittelbaren Einflusssphäre. Paris hat schon 2003 ein Konzept entwickelt, das
"State Building" in Haiti vorsah; damit sollte zugleich die Stellung
Frankreichs und der EU dort gestärkt werden. Der französische Staatspräsident
Nicolas Sarkozy hat nun vorgeschlagen, eine internationale Haiti-Konferenz
durchzuführen, und will dazu die EU nutzen. Brüssel hat einen Betrag von 400
Millionen Euro zugesagt- für unmittelbare, aber auch für langfristige
Maßnahmen. Zusätzlich ist die Entsendung der Europäischen Gendarmerietruppe im
Gespräch. Die Bundesrepublik wird sich daran nicht beteiligen, bleibt aber über
die EU und mit Finanzhilfen involviert - und stützt damit die europäischen
Einflussmaßnahmen.
Protektorate
Die langfristige Zielsetzung wird
in den westlichen Machtzentralen sorgfältig diskutiert - am offensten in den
USA. Dort geben manche zu bedenken, es dürften nicht zu viele Kräfte aus
Militär und Polizei nach Haiti entsandt werden, um an den zentralen westlichen
Kriegsschauplätzen -insbesondere in Afghanistan - keine Schwächungen
hervorzurufen. In einem Kommentar, der vom Washingtoner Think Tank Council on
Foreign Relations als Pflichtlektüre ("Must read") deklariert wird,
heißt es hingegen, Haiti habe einige seiner besten Jahre (...) zwischen 1915
und 1934" erlebt, "als das Land von US-Marines besetzt war".
Washington habe damals befürchtet, Deutschland oder irgendeine andere
feindliche Macht" könne sich sonst in Haiti festsetzen und "den
Panama-Kanal oder andere wesentliche amerikanische Interessen
bedrohen".[7] Man habe in dem Protektorat nicht selbst die Regierung übernommen,
sondern über einheimische Eliten die Kontrolleausgeübt. Ähnliches schwebt den
Autoren offenbar auch für die nähere Zukunft vor. "Wir brauchen dringend
eine Methode", schreiben die Autoren des "Mustread"-Kommentars,
"um schlecht funktionierende Länder wie Haiti unter internationale
Zwangsverwaltung zu stellen". Als Modell werden die EU-Protektorate
Bosnien und Kosovo genannt. Die Lebensverhältnisse dort gehören zu den
miserabelsten in ganz Europa.
[1] Haiti-Dossier; www.ila-web.de/artikel/Haiti_Dossier/haiti_dossier012010htm
[2] Rückkehr zur Würde. Interview
mit Camille Chalmers von der HaitianischenPlattform für Alternative Entwicklung
(PAPDA); ila 296, Juni 2006. Das Interview ist, wie auch weitere Analysen, in
dem Haiti-Dossier auf wwwila-web.de abrufbar.
[3] Krieg gegen die Armen.
Debatte um Stationierung der UN-Truppen in Haiti;ila 304, April 2007
[4] Tsigereda Walelign: Die
Rückkehr des Kolonialismus. Wie die internationale Gemeinschaft" ein Land
zerstört; ila 303, März 2007
[5], [6] Haiti: Außenpolitik;
www.auswaertiges-amt.de
[7] America's Uncertain Presence in Haiti's
Uncertain Future; commentarymagazine.com 18.01.2010
Haiti vor neuer US-Besatzung?
von Harald Neuber
USA stocken ihre Truppen von 60
auf rund 10.000 Mann auf. Wachsende Kritik von Hilfsorganisationen und aus
Lateinamerika. Gibt es eine verdeckte Agenda?
Haiti kommt nicht zu Ruhe. Gut
eine Woche nach dem verheerenden Erdbeben hat am Mittwochmorgen (Ortszeit) ein
Nachbeben den Karibikstaat erschüttert. Ob es dabei zu weiteren Opfern kam, war
zunächst nicht klar. In dem Land herrschen weiter chaotische Bedingungen,
obgleich international massive Hilfsmaßnahmen angelaufen sind. Die andauernden
Probleme schüren nun auch die Kritik an den USA. Die gewaltige Militärpräsenz
behindere die humanitären Hilfsmaßnahmen, heißt es vor Ort. Die französische
Regierung und nichtstaatliche Hilfsorganisationen haben offiziell Protest
eingelegt. Lateinamerikanische Staaten beklagen gar eine militärische Invasion
im Schatten der Naturkatastrophe. In der Tat werden die Anzeichen für eine
verdeckte politische Agenda immer deutlicher. Patrick Elie sieht die massive
Militärpräsenz der USA mit wachsendem Unmut. Es gibt hier keinen Krieg",
sagt der ehemalige haitianische Verteidigungsminister. Man brauche in Haiti
vorrangig keine Soldaten, sagt Elie im Gespräch (1) mit dem Nachrichtensender
Al-Dschasira. Welche Maschinen auf dem stark beschädigten Flughafen der
haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince landen und welche nicht – das dürfe
alleine von Haitianern entschieden werden, sagt das ehemalige
Kabinettsmitglied. Die Realität aber sieht anders aus. Unmittelbar nach dem
Beben am Dienstag vergangener Woche hat die US-Armee die Kontrolle des
internationalen Flughafens übernommen. Nach Angaben aus Washington geschah dies
auf Bitte der amtierenden Regierung von Präsident René Préval. Eine
entsprechende Erklärung (2) erschien erst Tage nach der Übernahme des
Flughafens durch die US-Armee. Eine Bestätigung dieser Darstellung aus Haiti
gibt es nicht. Auch hat die Übernahme des strategisch wichtigen Flughafens die
Lage nicht verbessert. Ganz im Gegenteil: Zahlreiche Organisationen und Staaten
protestieren gegen das Management der Armee. Sie habe Landungen wichtiger
Hilfsgüter wiederholt untersagt.
Massive Truppenverlegungen der
USA
Nach Angaben der US-Regierung und
der Armeespitze sind inzwischen gut 10.000US-Soldaten gen Haiti in Marsch
gesetzt worden, unter ihnen 2000 Soldaten des Marine-Corps. Blanche Petrich,
die Korrespondentin der mexikanischen Tageszeitung La Jornada, beschrieb (3)
die Landung dieser Elitesoldaten vor dem weitgehend zerstörten
Präsidentenpalast in Port-au-Prince am Dienstag. Unter großem Lärm setzten
Black-Hawk-Hubschrauber der 82.US-Luftlandedivision im Garten des
Präsidentenpalastes auf und wie in einem Kriegsfilm sprangen gut 50 Soldaten
mit dem Gewehr im Anschlag aus den Maschinen", schrieb Petrich zu der
Szene. Viele Haitianer, fügte sie an,dürften sich dabei an den 15. Oktober 1994
erinnert haben. Damals fand die letzte große Intervention der US-Armee in Haiti
statt. Die Korrespondentin berichtet auch von Berichten über die Landung von
US-amerikanischen Fallschirmjägern in der Küstenstadt Leogan, rund 50 Kilometer
von der Hauptstadt Port-au-Prince entfernt. Vor dem Erdbeben hatten die USA
militärischen Quellen zufolge rund 60 Armeeangehörige in Haiti stationiert. In
den vergangenen Tagen ist ihre Zahl auf mehr als 7000 angewachsen (4).
US-Generalstabschef Mike Mullen gibt die Zahl der mobilisierten Soldaten mit
"9000 bis 10.000" an. Zwar hat auch UNO-Generalsekretär die
Verstärkung seiner Blauhelmtruppe auf 11.000 angekündigt, doch die Führung
liegt klar bei den USA. Koordiniert wird der Einsatz von ihrem Südkommando (5)
mit Sitz in Miami im US-Bundesstaat Florida. Neben dem Kriegsschiff USS Bataan
(6) hat der Oberkommandierende des Südkommandos, General Douglas Fraser, den
Flugzeugträger USS Carl Vinson(7) mit Begleitflotte, das Sanitätsschiff USNS
Comfort (8), den Kreuzer USSNormandy (9) und die Fregatte USS Underwood (10)
entsandt (11). Die 2000 Mitglieder des Marine-Corps gehören der 22. Einheit
(12) ein. Sie sind auch dafür ausgebildet, gegen Unruhen vorzugehen.
Klagen gegen die
"US-Intervention" aus Lateinamerika
In der Region trifft die
Entsendung der US-amerikanischen Kampftruppen auf erheblichen Widerspruch. Die
Präsenz der US-Armee käme einer militärischen Intervention gleich, die sich
schnell zu einer "permanenten Besetzung"entwickeln könne, warnte (13)
Boliviens Vizepräsident Alvaro García Linera. Am Dienstag hatte der Politiker
in Port-au-Prince eine Sendung humanitärer Hilfe begleitet. "Wir sind über
diese US-amerikanische Militärintervention besorgt, weil dort Truppen sind, die
keine Hilfsaktionen ausführen, die keine Leben retten, keinen Schutt
beseitigen, keine Leichen bestatten", so García Linera. Er befürchte, dass
die USA die Lage ausnutzen, um eine dauerhafte Armeepräsenz in Haiti zu
etablieren. Ähnliche Kritik kam aus Venezuela und Nicaragua, deren Verhältnis
zu den USA angespannt ist. Die Entsendung der US-Armee sei
"unlogisch", beanstandete (14) Nicaraguas Präsident Daniel Ortega:
"Haiti bittet um humanitäre Hilfe, nicht um Soldaten". Diese
Einschätzung ist nicht nur politisch motiviert. Die internationale
Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen beklagt in einem Kommuniqué (15), dass die
US-Truppen die Landung eines Flugzeugs mit einem mobilen OP-Zelt am Samstag
verhindert haben. Die Maschine sei an den Flughafen von Samana in der
benachbarten Dominikanischen Republik verweisen worden. Vor dort aus musste das
OP-Zelt auf dem Landweg nach Haiti gebracht werden. Eine Verzögerung von 24
Stunden war die Folge. Ähnliche Klagen kamen von anderen Organisationen wie dem
Roten Kreuz und sogar von ausländischen Regierungen. Es sei nicht normal, dass
ein Flugzeug mit Hilfsgütern abgewiesen wird, beklagte Frankreichs
Staatssekretär für Zusammenarbeit, Alain Joyandet: "Es geht hier
schließlich nicht um die Besetzung des Landes, sondern um die Rettung von Leben."
Kritische Stimmen kamen auch aus Brasilien, nachdem es am Flughafen von
Port-au-Prince zu Spannungen mit dem US-Militär gekommen war.
Rechte in den USA fordert
politische Einflussnahme
Doch nicht nur das Handeln der
US-Armee in Haiti wirft Fragen über die Hintergründe der massiven
Militärpräsenz auf. Das Erdbeben in Haiti habe nicht nur humanitäre Folgen, es
wirke sich auf die Nationale Sicherheit der USA aus, schrieben zwei Tage nach
der Naturkatastrophe James M. Roberts und Ray Walser von dem konservativen
Think-Tank Heritage Foundation. Es gehe daher nicht nur um kurzfristige Hilfe,
sondern auch die langfristige Einflussnahme auf ein "Reformprogramm in
Haiti", fordern die beiden Autoren, um nachfolgend deutlicher auszuführen,
weshalb diese politische Einflussnahme ihrer Ansicht nach notwendig ist: Die
Regierung unter Präsident René Préval ist schwach und nun im wahrsten Sinne des
Wortes am Boden zerstört. Kuba und Venezuela, die in der Vergangenheit schon
versucht haben, den Einfluss der USA zurückzudrängen, könnten die Möglichkeit
nutzen, um sich zu profilieren. James M. Roberts, Ray Waler: American
Leadership Necessary to Assist Haiti After Devastating Earthquake (16) Es sei
"höchstwahrscheinlich", dass die Hilfsaktion nach der
Naturkatastrophe nun genutzt wird, um eine langfristige Militärpräsenz der USA
in Haiti zu etablieren, schreibt auch der politische US-Autor Michel
Chossudovsky. Im Gespräch mit Telepolis kommentiert Bill Quigley von
US-amerikanischen Zentrum für Verfassungsrechte (17) mit Sitz in New York die
Berichterstattung in den USA über die Katastrophe kritisch. Zahlreiche Medien
schürten den Eindruck, dass die mangelnde Sicherheit und Plünderungen das
Hauptproblem seien, sagte der Leiter des Privaten Forschungsinstitutes. Die
Darstellung dieser vermeintlichen Probleme leiste der Militarisierung Vorschub.
Kaum jemand hinterfrage, weshalb zahlreiche zivile Organisationen seit Jahren
und auch nach dem Erdbeben ohne militärischen Schutz in Haiti arbeiten und
Hilfe leisten. Gleiches trifft auf Helfer aus Lateinamerika –unter ihnen knapp
500 kubanische Ärzte – zu.
Links(1)
http://www.racewireorg/archives/2010/01/theres_no_war_here_haiti_moving_from_disaster_site_to_miitary_zone.html
(2)
http://www.state.gov/r/pa/prs/ps/2010/01/135288.htm
(3) http://www.jornada.unam.mx/2010/01/20/indexphp?section=mundo&article=019n1mun
(4)
http://www.defense.gov/news/newsarticle.aspx?id=57614
(5)
http://www.southcom.mil/appssc/index.php
(6)
http://www.bataan.navy.mil/default.aspx(7) http://www.cvn70.navy.mil/
(8)
http://www.med.navy.mil/sites/usnscomfort/Pages/default.aspx
(9)
http://www.normandy.navy.mil/default.aspx
(10)
http://www.underwood.navy.mil/default.aspx
(11)
http://www.southcom.mil/AppsSC/news.php?storyId=2030
(12) http://www.22ndmeuclan.com/
(13)
http://www.diariocolatino.com/es/20100119/internacionales/75895/
(14)
http://www.alternativabolivariana.org/modulesphp?name=News&file=article&sid=5881
(15)
http://www.msf.org/msfinternational/invokecfm?objectid=4B1BC357-15C5-F00A-25B52D216B70FFA3&component=toolkitarticle&method=full_html
(16)
http://www.heritage.org/Research/LatinAmerica/wm2754.cfm
(17)
http://ccrjustice.org/Telepolis Artikel-URL:
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/31/31938/1.html - 20.01.2010
Date: Tue, 19 Jan 2010 13:08:42 +0100 From:
"Klaus E. Lehmann"
Haiti: Landebahn blockiert
Eine Woche nach dem verheerenden
Erdbeben in Haiti schlägt die Verzweiflungder Menschen zunehmend in Wut über
die ausbleibende Hilfe um, die noch immer nur unzureichend bei den Menschen
ankommt. Haitianische Polizisten und UN-Soldaten gingen mit Tränengas und
Schüssen gegen Menschen vor, die sich in zerstörten Ladengeschäften mit
Lebensmitteln versorgen wollten. Wie die AP-Korrespondenten Michelle Faul und
Alfred de Montesquiou ausPort-au-Prince berichteten, fuhr die Polizei mit
Lastwagen in eine Menge am Alten Markt der Hauptstadt, um Hunderte Menschen
auseinander zu treiben. Im Stadtteil Delmas lynchten aufgebrachte Einwohner
zwei mutmaßliche Plünderer. Die Behörden warnten davor, daß sich die Gewalt
weiter ausbreiten könnte. Zugleich wächst jedoch auch die Kritik an den USA,
die den Flughafen der Hauptstadt besetzt haben und mit Tausenden Soldaten die
Kontrolle über das Land übernehmen wollen. Washington wird vorgeworfen, die
einzige Landebahn des Flughafens für die Evakuierung von US-Bürgern zu
beanspruchen. »Sie fliegen nur die US-Amerikaner aus und nicht die anderen«,
kritisierte der 50jährige Franzose Charles Misteder. »Sie lassen uns nicht nach
Hause.«Diplomaten anderer Staaten versuchten wütend, eigene Landsleute zu
wartendenFlugzeugen zu führen. Der US-Botschafter in Haiti, Kenneth Merten,
räumte Schwierigkeiten ein. »Es ist normal, daß es Frustrationen gibt«, sagte
er. Die Gemeinschaft der Karibikstaaten (CARICOM) protestierte gegen die
Weigerung der USA, eine Abordnung der englisch- und französischsprachigen
Länder der Region in Port-au-Prince landen zu lassen. Die Delegation, zu der
mehrere Staatschefs gehörten, mußte nach Jamaika zurückkehren. Auch Frankreich,
Brasilien, Nicaragua und andere Staaten protestierten gegen die willkürlichen
Entscheidungen der US-Truppen, die den Flughafen kontrollieren Jamaikas
Premierminister Bruce Golding bot deshalb den Flughafen von Kingsley als
Operationsbasis für die Hilfslieferungen an, da dieser nur 45 Flugminuten von
Haiti entfernt ist. Auch Venezuela hat eine See- und Luftbrücke nach Haiti
eingerichtet. Präsident Hugo Chávez erklärte, sein Land werde Haiti soviel
Erdöl liefern, wie das Land benötige. Zugleich forderte er US-Präsident Barack
Obama auf, Haiti wirkliche Hilfe anstelle von Soldaten mit Kriegsbewaffnung zu
schicken. Die russische Regierung kündigte an, ihre Hilfslieferungen zunächst
nach Venezuela zu bringen, damit sie von dort aus nach Haiti weitertransportiert
werden können. Haitis Staatschef René Preval ist unterdessen in die benachbarte
Dominikanische Republik gereist, um mit seinem Amtskollegen Leonel Fernándeze
in internationales Gipfeltreffen vorzubereiten, auf dem die Hilfe für Haiti
koordiniert werden soll. An dem Treffen sollte auch die spanische
Vizeregierungschefin María Teresa Fernández de la Vega als Vertreterin der EU
teilnehmen.(AFP/apn/PL/jW) – 19. Januar 2010
19 Jan 2010 13:15:06 +0100 From: "Klaus E. Lehmann"
<latinartmusic@web.de>Subject:
Kuba solidarisch mit Haitianern
Erdbebenexperten ergänzen die 400
Mediziner auf der Nachbarinsel
Von Leo Burghardt, Havanna
Kuba plagt eine ungewöhnliche
Kältewelle und die absurde Einstufung als Terrorismus förderndes Land seitens
der USA. Doch all das wird überlagert durch das Erdbeben beim östlichen
Nachbarn Haiti, wo kubanische Hilfskräfte ihr Bestes geben. In Kuba haben sich
die Prioritäten durch das Beben in Haiti gründlich verschoben. Es geht nicht
mehr um die aktuelle Kältewelle mit Morgentemperaturen von 4 bis 9 Grad. Auch
tagsüber schafft es das Thermometer nur selten über die 21. Die Meteorologen
werden nicht müde zu dementieren, dass das nicht der Anfang vom befürchteten
Klimawandel ist. Sie haben Statistiken aus den vergangenen Jahrhunderten aus
den Archiven gekramt mit denen sie nachweisen können, dass es nicht zum ersten
Mal so kalt ist. 1993 zum Beispiel oder 1970, da hatten sich die Kubaner auch
schon eingemummt wie die Inuit. Vom Tisch ist zunächst ebenfalls die Perfidie
der Obama-Regierung, die Kubaner wie unter George W. Bush in die Liste der
Länder einzuordnen, die den Terrorismus fördern. Kein anderes Land ist seit
einem halben Jahrhundert öfter Zielscheibe von Terrorgangstern gewesen, die
fast immer vom Boden der USA aus operierten. Die »Washington Post«
disqualifizierte die Einstufung als »ganz einfach lächerlich«. Das Wichtigste
jetzt ist das Erdbeben in Haiti, das nur etwa 80 Kilometer von der Ostküste
Kubas entfernt schwere Verwüstungen anrichtete. Und zwar ausgerechnet in der Region,
die am dichtesten bevölkert ist und wo selbst für solide erachtete
Regierungsbauten zu Boden gingen. Ärmer als die Haitianer ist kein Volk in
Lateinamerika und der Karibik. Vor Kubas Ostküste verhielt sich das Meer
erstaunlich ruhig. Dennoch aktivierte die ausgezeichnet funktionierende
Zivilverteidigung präventiv einen Alarmzustand ersten Grades, denn sie schloss
einen Tsunami nicht aus. So wurden aus den küstennahen Gebieten 40 000 Menschen
in höher gelegene Gebiete evakuiert, Hubschrauber – mit potenten Schallkanonen
ausgerüstet –kontrollierten aus der Luft die Rettungsaktionen, gaben Hinweise,
wie sich zum Beispiel das Meer zwischen Haiti und den Windward-Inseln verhielt,
um auch jeden Ansatz von Panik zu verhindern. Im Osten der Insel wackelt die Erde
relativ oft, aber nur so, dass bisher weder Menschen noch Gebäude beschädigt
wurden. Kuba hat sofort 60 Erdbebenexperten, die ihre Erfahrungen nach dem
großen Beben in Pakistan gesammelt haben, in Marsch gesetzt. 400 Mediziner und
Paramediziner arbeiten schon seit Monaten auf der Nachbarinsel. Thema Nummer
eins ist in Kuba bis auf Weiteres die Solidarität mit der Bevölkerung des
karibischen Nachbarstaats. Wie weit Kuba dabei zu gehen bereit ist, zeigt sich
daran, dass Havanna den USA erlaubt, für Hilfsaktionen in der Erdbebenregion
Haiti den kubanischen Luftraum zu nutzen. Um Verletzte auszufliegen, dürfen
US-Flugzeuge auf dem Weg vom Stützpunkt Guantanamo auf Kuba nach Miami
kubanischen Luftraum kreuzen. Dadurch werden etwa 90 Minuten gewonnen.
Neues Deutschland,
18.01.2010
Ärzte oder Soldaten
Während kubanische Mediziner
Leben retten, besetzt das US-Militär Haiti
Von Enrique Torres, Port-au-Prince (Prensa Latina)
Das am Montag gerettete kleine
Mädchen Karla Lexandre hat die Hoffnungen der Helfer wiederbelebt, auch eine
Woche nach dem Erdbeben doch noch Menschen lebend aus den Trümmern bergen zu
können. Experten aus verschiedenen Ländern hatten zuvor praktisch die Hoffnung
aufgegeben, daß Menschen diese lange Zeit ohne Trinkwasser unter den Schuttbergen
eingestürzter Gebäude überleben könnten. Das gerettete Mädchen wurde in das
Universitätskrankenhaus des Friedens in Port-au-Prince gebracht und dort von
kubanischen Ärzten behandelt. Mediziner aus fünf Ländern betreiben derzeit das
Hospital, unter ihnen die Pädiaterin Gladis Salas, die als eine von mehr als
400 kubanischen Medizinern bereits seit zwei Jahren in dem ärmsten Land des
Kontinents arbeitet. Sie berichtete der Agentur Prensa Latina, daß das Mädchen
körperlich fast unverletzt gewesen sei, obwohl das Haus, in dem es sich während
des Erdbebens aufgehalten hatte, vollkommen in sich zusammenstürzte. »Aber sie
ist stark ausgetrocknet. Wir haben begonnen, ihr Flüssigkeit zuzuführen, um
ihren Allgemeinzustand zu verbessern und sie besser untersuchen und ihr Leben
retten zu können«, so die Kinderärztin. Die Menschen in Port-au-Prince wollen
weniger die mittlerweile überall präsenten Soldaten als vielmehr und ganz
dringend Lebensmittel, Wasser, medizinische und technische Unterstützung sowie
Gelegenheiten zur Arbeit. Am Dienstag bildeten sich ab den frühen Morgenstunden
erneut lange Menschenschlangen an den Hauptverkehrsadern der Stadt. Die
Menschen suchten nach einem Stück Brot für ihre Kinder und andere Angehörige,
die oft eine weitere Nacht unter freiem Himmel verbringen mußten. Hunderte
Opfer der Naturkatastrophe zogen in der Hoffnung zum internationalen Flughafen
»Toussaint L’Ouverture«, daß ein Teil der Hilfslieferungen, die dort aus aller
Welt eintreffen, irgendwie auch in ihre Hände gelangen würde. Aber die
Landebahn des Flughafens gleicht weniger einem internationalen Zentrum zur
Verteilung humanitärer Hilfsgüter, als vielmehr einer kampfbereiten
US-Militärbasis. Die Präsenz der großen Transportflugzeuge der US-Luftwaffe
wäre aufgrund ihre Ladekapazitäten noch nachvollziehbar, aber das Bild wird vor
allem von dem massiven Aufmarsch der US-Soldaten geprägt. »Dieses Land braucht
Ärzte, Architekten, Ingenieure, damit sie beimWiederaufbau helfen. Wir brauchen
keine Soldaten, auch wenn das hier einige offenbar glauben«, kritisierte der
junge Haitianer Cantón Wilson, der sich seit dem Erdbeben fast ununterbrochen
um die Opfer der Katastrophe gekümmert hat. Er studiert noch in Kuba Medizin,
wo er sich als Chirurg spezialisieren will. Sein viertes Ausbildungsjahr steht
bevor, und er machte gerade Urlaub bei seiner Familie, als die Katastrophe
hereinbrach. Wilson entschied sich, in seiner Heimat zu bleiben und zu helfen.
Haiti brauche keine »Belagerung«, sondern »Solidarität, Brüderlichkeit und
Frieden«, kritisierte der angehende Mediziner den Militäraufmarsch der USA. Am
15.Januar war der Flugzeugträger »Carl Vinson« vor der Küste Haitis
eingetroffen. Ihm folgten die Kriegsschiffe »Underwood« und »Normandy« sowie
der Hubschrauberträger »Bataan«. Auch 2000 Marineinfanteristen und 3000
Elitesoldaten der 82.Luftlandedivision der US-Armee trafen zwei Tage nach dem
Erdbeben in Haiti ein. Ihre Kriegswaffen taugen nur wenig oder gar nicht dazu,
die menschlichen und materiellen Konsequenzen der Katastrophe zu lindern. Die
haitianischen Behörden befürchten mittlerweile bis zu 200.000 Tote, mehr
als70.000 wurden bereits in schnell ausgehobenen Massengräbern beigesetzt.
junge Welt, 20. Januar 2010