US-Haiti-Flüchtlingsjäger

Haiti: Obama nimmt Kuba von Hinten, zusammen mit Bush und Clinton: Über Haiti, all das was man nicht wissen soll; Die Drei in einem Landungsboot - in der allergrößten Not die Schweinebucht- noch Mal versucht -

nach letzten Meldungen sollen die US-Soldaten zunächst Mal den Präsidenten Palast besetzt haben, was die HaitianerINNEN zurecht entsetzt hat, sie verteilten nämlich weder Wasser noch andere Lebensmittel, machten auch keine Erste Hilfe oder gruben nach Verschütteten: aber der etwas US-hörige Präsident findets als Ordnungsmaßnahme OK. Anders der erste nach dem Sturz der US-Marionette Diktator-DocDuvallier demokratisch gewählte Präsident Haitis -Aristide, den die USA aus dem Amt putschen ließen. Der verurteilt die Landung von ca. 10.000 US-Soldaten als US-Okupation -( siehe auch die mit einem Tag Verspätung ausgelieferte JungeWelt zur Palastbesetzung!)). Wie in Pakistan, Peru usw.. sind auch in Haiti kubanische Ärzte-Teams in mehrhundertfacher Stärke sofort vor Ort und immer dort, wo man mit hightech und schwerem Gerät nicht hinkommt oder in den schlimmsten Zentren in den Städten.. Ebenso schnell sind die Teams aus Venezuela und - aus der VR China !!.

Die US-Antwort darauf ist die Invasion durch 10.000 US-Marines unter dem UnterOberkommando von Clinton und Bush und dem Ober OberKommando Obamas.

Hillary Clinton hatte sofort nicht etwa  Hilfe geschickt, sondern erst Mal gewartet, bis der Präsident solche zu ihren Bedingungen anfordert. Deshalb hat der ja auch die Besetzung “seines” Palastes als OK erklärt.

Die erste Maßnahme der US-Außenministerin war die Vertärkung der Küstenwache gegen einen befürchteten Flüchtlingsstrom aus Haiti. (da könnten ja auch Freunde von Aristide dabei sein!!)

Nach Beratungen mit Breszinski hat das Weiße Haus jetzt  -”Die Katastrophe als Chance” nutzend - den genialen Plan eines “Flüchtlingslagers auf Guantanamo”  gefasst: hier sollen ausgesuchte Flüchtlingskontingente nach bewährter Methode behandelt werden - so wie hier schon die ExilUiguren zum Einsatz am Rande der VRChina - für den Einsatz französisch-spanisch-sprachiger Schwarzer in Zentralamerika und in der Karibik, in Lateinamerika insgesamt, aber auch in großen Teilen Schwarzafrikas braucht man reichlich Nachschub, denn die eigenen Schwarzen sind so nicht mehr so gut zu gebrauchen, wenn sie aus 50 Kilometer Entfernung noch als US-Soldaten & “middleclassarrived-blackbewatered” zu identifizieren sind. Der gemeine und dann auch zivilisiert-dankbare Haitianer eignet sich da besser. Welcher Kubaner kann ihn von seinen Landsleuten unterscheiden ?

Seit Jahrhunderten wird Haiti systematisch verarmt und seit 1806 haben sich die USA massiv-aktiv daran beteiligt ..  und die gesamte Karibik kann davon ein LeidensLied aber auch einige Befreiungslieder dagegen singen. Das fürchten Obama und seine kapitalen Hintermänner. Der Diktator Duvallier war auch ein Schwarzer - von kapitalen Gnaden…

 

Über viele “exotische Adressen” erfährt man vieles von dem, was uns die MassMedia-MainstreamMedia verschweigen: von dem Australier Max Watts, einem alten Freund von Franz-Josef Degenhardt, als es um die Fluchtorganisation für US-Deserteure ab 1964 und schon davor in K-Town, Ramstein, Hanau. Heidelberg, Babenhausen, Wiesbaden, Frankfurt Richtung Schweden ging - oder von dem deutsch-holländisch-türkischen Politik-und Religionswissenschftler, Historiker, Soziologen und Philosophen Samy Yildirim (naja türkisch ist er nicht, so viel ich weiß, ist er in Köln geboren, wo sein Vater bei Ford vernutzt wurde) . Ylidirims Arikel erscheinen meist zunächst in Englisch, dann auch auf Deutsch und Holländisch .. wenn ich zeit habe, werde ich denfolgenden text über Haiti auch noch schnell ins Deutsche übersetzen, wenn er mir nicht hoffentlich zuvorkommt. Ansonsten einfach nach Samy Yildirim durch scrooglen oder -googlen. Samy Yildirim ist ein Mitglied von Tlaxcala, dem Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt.

Bisher habe ich einfach nur einige mails zum Thema gesammelt und hier angehängt. Man muss sich nur etwas durchlesen. Und zunächst noch auch etwas Englisch verstehen. Aber es sind mehrheitlich deutschsprachige Texte

 

ALs Worming Up zunächst aber noch ein Brief des GOTTSEIBEIUNS im US-Public Intelligence Blog an den US-Fundamentalevangelical-Prediger Pat Robertson, der schrieb, dass die Haitianer einen pakt mit dem teufel geschlossen hätten. Jede Katastophe hat eben auch ihre lustigen Seiten und nicht nur Breszinskis Chancen: (Dank an www.SteinbergRecherche.com für das fahndungsfoto und den Hinweis auf PIB und Pat ... weiter--> http://www.barth-engelbart.de/?p=513

 

 

Ergänzend dazu dieser Artikel vom Centre for Research on Globalization: http://www..globalresearch.ca/index.php?context=va&aid=17115

Hier sind zwei von HaBE übersetzte Abschnitte aus dem Artikel:

 

“Während die USA zahlreiche Hilfsflüge vom Port-au-Prince Flughafen abweisen, kreist jeden Tag eine US Air Force Frachtmaschine für Stunden über Haitis verzweifelter Bevölkerung und verbreitet die folgende Nachricht (im kreolischen Radio): ‘Hört zu, geht nicht zu den Booten, verlasst das Land nicht. Wenn ihr das tut, werden all unsere Probleme noch schlimmer. Wir sind ehrlich mit euch: Falls ihr denkt, dass ihr die USA erreichen könnt, dass euch dort alle Türen offen stehen, liegt ihr falsch. Wir werden euch im Wasser abfangen und dorthin zurückschicken, wo ihr hergekommen seid.”

 

“Die US-Botschaft in Haiti behauptet, dass es wegen der Sicherheitslage unmöglich sei, Hilfe unter die Menschen zu bringen. Bis jetzt ist jedoch kein einziger Retter von den Überlebenden angegriffen worden. Die Dienstagausgabe des Wall Stree Journals stellt fest: ‘US-Funktionäre machen Sicherheitsbedenken für die Verzögerungen verantwortlich. Trotzdem wurde am Montag ein Team kubanischer Ärzte, das Hunderte von Patienten ohne militärischen Schutz behandelte, gesehen..’ Selbst wenn diese Gefahren existierten, würde sich Frage stellen, was das Militär überhaupt in Haiti macht, wenn die Soldaten weder Vorräte liefern noch denen Schutz bieten, die genau das tun.”

 

Ich könnte heulen vor Wut. Das ist zwar nicht besonders konstruktiv, bietet sich aber angesichts der eingeschränkten Möglichkeiten zu helfen als Ventil an.

 

Kerstin

(HaBE: ich kann gar nicht so viel Essen wie ich kotzen muss. Es ist noch schlimmer als ich dachte)

 

 

 "Klaus E. Lehmann" 

Solidarität statt Militär

ALBA-Länder protestieren gegen US-Strategie nach Erdbeben in Haiti. Präsident Préval dankt Hugo Chávez für UnterstützungVon Kerstin SackPort-au-Prince. In Haiti findet zurzeit eine militärische Besetzung durchdie USA statt. Die Aktivitäten der Großmacht stoßen bei der Bolivarischen Allianz für Amerika (ALBA) auf Ablehnung. Der venezolanische Präsident Hugo Chávez sagte am vergangenen Sonntag in seiner Sendung Aló Presidente: "Man hat den Eindruck es herrscht Krieg in Haiti. Die Menschen brauchen Hilfe und kein Militär!" Boliviens Präsident Evo Morales forderte wegen der militärischen Besetzung Haitis durch die USA eine Sondersitzung der Organisation der Vereinten Nationen (UNO). Während die USA auf das Militär setzt, wollen Kuba, Venezuela und andere Länder Lateinamerikas die Priorität auf die Akuthilfe und die Unterstützung des Wiederaufbaus legen. Haitis Präsident René Préval bedankte sich in einer Rede für die Hilfe aus Venezuela und insbesondere bei Hugo Chávez. "Er versteht, dass die Süd-Süd-Kooperation sehr wichtig ist. Sie halfen uns schon vor dem Erdbeben beim Hausbau, in der Landwirtschaft und beim Bau des neuen Flughafens. "Haiti ist auch Mitglied von PetroCaribe. Der 2005 auf Initiative Venezuelas gegründete Staatenbund hat die Zusammenarbeit im Energiebereich zum Ziel. Neben dem Bezug von Erdöl zu günstigen Konditionen werden durch den ALBA-Fonds soziale Projekte gefördert. Port-au-Prince profitierte von dem Vertrag bisher durch den Bau eines Stromkraftwerks, Hilfe beim Bau von Häusern, Entwicklung der Landwirtschaft und medizinischer Hilfe. Aus Kuba arbeiteten schon vor dem Erdbeben 400 Ärzte in Haiti, auf Kuba werden außerdem junge Haitianer zu Medizinern ausgebildet. Venezuela hat schon große Mengen an Hilfsgütern nach Haiti geschickt, darunter neben Medizin und Kleidung bereits 700 Tonnen Lebensmittel. Eine Lieferung von 225.000 Fass (159 Liter) Treibstoff und Benzin ist per Schiff unterwegs, um die Knappheit an den Tankstellen zu mindern. Wiederaufbau-Spezialisten arbeiten in einer Brigade mit Spezialisten aus Haiti zusammen. Auch aus Kuba trafen weitere Ärzte und Spezialisten sowie Hilfsmittel ein. amerika21.de – 21. Januar 2010

 

Unter Zwangsverwaltung

PORT-AU-PRINCE/WASHINGTON/BERLIN(Eigener Bericht) -

Kritiker warnen vor einer erneuten Kolonialisierung Haitis mittels der globalen Unterstützungsmaßnahmen nach dem dortigen Erdbeben. Die internationale Hilfe für Haiti sei "dringend notwendig", dürfe aber nicht für "neokoloniale Einflussnahme" durch die USA und die EU missbraucht werden, fordert die Bonner Informationsstelle Lateinamerika, die seit 35 Jahren über die Entwicklung auf dem Subkontinent berichtet. Überlegungen, die polizeilich-militärische Präsenz von US-amerikanischen Truppen und EU-Polizisten auf Dauer aufrecht zu erhalten, werden tatsächlich in den westlichen Machtzentralen diskutiert. Man benötige "eine Methode, schlecht funktionierende Länder wie Haiti unter internationale Zwangsverwaltung zu stellen", heißt es bei US-Think Tanks; die offene Übernahme staatlicher Aufgaben in Haiti durch die westlichen Großmächte hat inzwischen begonnen. Berlin, das in Südosteuropa umfangreiche Erfahrung mit Protektoraten gesammelt hat, ist in Haiti eher in zweiter Reihe involviert, beteiligt sich aber gleichwohl am Vorgehen der westlichen Mächte - im Rahmender EU.

 

Zerfallender Staat

Die Bonner Informationsstelle Lateinamerika (ila), die seit 1975 die Entwicklung auf dem Subkontinent beobachtet, warnt vor einer weiteren Aushöhlung der haitianischen Souveränität. "Internationale Hilfe für Haiti ist dringend notwendig, aber sie darf nicht zu einer erneuten Kolonisierung Haitis führen", schreibt die Informationsstelle. Insbesondere die Einordnung von Ländern als "zerfallender Staat", wie sie jetzt auch für den Karibikstaat vorgenommen werde, diene "zur Legitimation jeglicher neokolonialer Einflussnahme".[1] Die Folgen seien meist fatal: Das zeigtendie westlichen Interventionen der letzten Jahre von Somalia über die Demokratische Republik Kongo bis Afghanistan, wo Frieden und eine Besserung der Lebensumstände nicht erreicht werden konnten. Auch auf Haiti habe die Stationierung von UN-Truppen im Jahr 2004 keine Fortschritte gebracht; von einem Ausbau der Besatzung sei daher nichts zu erhoffen.

 

Kontrollmechanismen

Dass die Warnungen im Falle Haitis besonders begründet sind, belegen mehrere Analysen der vergangenen Jahre, die die Informationsstelle Lateinamerika in einem Dossier bereitstellt. Demnach liegen zentrale Ursachen für die schon vor dem Erdbeben eingetretene Verschlechterung der Lebenssituation in Maßnahmen der westlichen Großmächte begründet, die unter anderem mit Hilfe der in Haiti stationierten UN-Truppen (Mission des Nations Unies pour la stabilisation en Haïti, MINUSTAH) das Land de facto beherrschen. So urteilte ein haitianischer Wirtschaftsprofessor bereits im Jahr 2006: "Die sogenannte 'internationale Gemeinschaft', das heißt die Interessenvertretung der Großmächte, hat Kontrollmechanismen entwickelt, mit denen sie die strategischen Entscheidungen des haitianischen Staats in der Hand hat."[2] MINUSTAH selbst ist mit schweren Vorwürfen konfrontiert, seit die Truppe mehrere Massaker in Armenvierteln der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince begangen hat.[3] Deutschland hat bislang zwar keine Soldaten nach Haiti entsandt, unterstützt MINUSTAH aber mit nichtmilitärischem Personal - und ist zudem über die EU präsent.

 

Prioritäten

Wie sich Beschlüsse der westlichen Großmächte zum Nachteil Haitis auswirken, zeigt exemplarisch eine Analyse, die die Informationsstelle Lateinamerika im Jahr 2007 veröffentlicht hat. Darin werden unter anderem Infrastrukturprojekte der EU beleuchtet. Die Regierung in Port-au-Prince hatte dem Ausbau des Hauptstadthafens prioritäre Bedeutung beigemessen, große Teile der Bevölkerung wünschten einen Ausbau der Infrastruktur auf dem Land. "Aber die EU zieht den Bau einer großen Straße zwischen Haiti und der Dominikanischen Republik vor", heißt es in der Analyse. Über die Straße solle der Export von Produkten in die Dominikanische Republik abgewickelt werden, die aus den USA nach Haiti gebracht und zur Ausfuhr bestimmt seien; für Haiti falle dabei so gut wie kein Profit ab. Umgekehrt sollten Agrarfirmen aus der Dominikanischen Republik über die Straße ihre Güter nach Haiti transportieren und dort verkaufen - zum Schaden haitianischer Bauern [4] Mit solchen Maßnahmen trage Brüssel zur Zerstörung der Landwirtschaft in dem verarmten Karibikstaat bei.

Dominant

Wie das Auswärtige Amt bemerkt, spielen derzeit in Haiti trotz aller Bemühungen der EU die Vereinigten Staaten "eine politisch und wirtschaftlich dominierende Rolle".[5] Die Außenhandelszahlen verdeutlichen dies: Haiti bezieht rund die Hälfte seiner Importe aus den USA; etwa 80 Prozent seiner Ausfuhren werden in die USA verbracht. Die Obama-Administration hat bereits im Frühjahr 2009 begonnen, ihren Einfluss in Haiti zu verstärken und defacto mitzuregieren. Nach Gesprächen von Außenministerin Hillary Clinton mit dem demokratisch gewählten haitianischen Präsidenten René Préval im April ernannte der Generalsekretär der Vereinten Nationen den ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton zu seinem Sondergesandten für Haiti. Clinton ist dafür zuständig, Wirtschaftsprojekte und Investitionen in dem Karibikstaat anzusiedeln; das sind Tätigkeiten, die in souveränen Staaten der Wirtschaftsminister erledigt. Die Übernahme staatlicher Aufgaben, etwa der Flughafensteuerung, nach dem Erdbeben setzt die bereits vorher begonnenen Bemühungen fort, Haiti der direkten Kontrolle Washingtons zu unterstellen.

Intensiver Austausch

Neben den USA hat auch die EU nach dem Erdbeben ihre Aktivitäten in Haiti verstärkt. Treibende Kraft ist vor allem die ehemalige Kolonialmacht Frankreich, der das Auswärtige Amt nachsagt, von allen Ländern der EU "der wichtigste Partner Haitis mit intensivem Besucheraustausch auf politischer und administrativer Ebene zu sein".[6] Bis heute zählt Frankreich den Karibikstaat wegen seiner kolonialen Vergangenheit und wegen des dort gesprochenen Französisch zu seiner unmittelbaren Einflusssphäre. Paris hat schon 2003 ein Konzept entwickelt, das "State Building" in Haiti vorsah; damit sollte zugleich die Stellung Frankreichs und der EU dort gestärkt werden. Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy hat nun vorgeschlagen, eine internationale Haiti-Konferenz durchzuführen, und will dazu die EU nutzen. Brüssel hat einen Betrag von 400 Millionen Euro zugesagt- für unmittelbare, aber auch für langfristige Maßnahmen. Zusätzlich ist die Entsendung der Europäischen Gendarmerietruppe im Gespräch. Die Bundesrepublik wird sich daran nicht beteiligen, bleibt aber über die EU und mit Finanzhilfen involviert - und stützt damit die europäischen Einflussmaßnahmen.

 

Protektorate

Die langfristige Zielsetzung wird in den westlichen Machtzentralen sorgfältig diskutiert - am offensten in den USA. Dort geben manche zu bedenken, es dürften nicht zu viele Kräfte aus Militär und Polizei nach Haiti entsandt werden, um an den zentralen westlichen Kriegsschauplätzen -insbesondere in Afghanistan - keine Schwächungen hervorzurufen. In einem Kommentar, der vom Washingtoner Think Tank Council on Foreign Relations als Pflichtlektüre ("Must read") deklariert wird, heißt es hingegen, Haiti habe einige seiner besten Jahre (...) zwischen 1915 und 1934" erlebt, "als das Land von US-Marines besetzt war". Washington habe damals befürchtet, Deutschland oder irgendeine andere feindliche Macht" könne sich sonst in Haiti festsetzen und "den Panama-Kanal oder andere wesentliche amerikanische Interessen bedrohen".[7] Man habe in dem Protektorat nicht selbst die Regierung übernommen, sondern über einheimische Eliten die Kontrolleausgeübt. Ähnliches schwebt den Autoren offenbar auch für die nähere Zukunft vor. "Wir brauchen dringend eine Methode", schreiben die Autoren des "Mustread"-Kommentars, "um schlecht funktionierende Länder wie Haiti unter internationale Zwangsverwaltung zu stellen". Als Modell werden die EU-Protektorate Bosnien und Kosovo genannt. Die Lebensverhältnisse dort gehören zu den miserabelsten in ganz Europa.

 

[1] Haiti-Dossier; www.ila-web.de/artikel/Haiti_Dossier/haiti_dossier012010htm

[2] Rückkehr zur Würde. Interview mit Camille Chalmers von der HaitianischenPlattform für Alternative Entwicklung (PAPDA); ila 296, Juni 2006. Das Interview ist, wie auch weitere Analysen, in dem Haiti-Dossier auf wwwila-web.de abrufbar.

[3] Krieg gegen die Armen. Debatte um Stationierung der UN-Truppen in Haiti;ila 304, April 2007

[4] Tsigereda Walelign: Die Rückkehr des Kolonialismus. Wie die internationale Gemeinschaft" ein Land zerstört; ila 303, März 2007

[5], [6] Haiti: Außenpolitik; www.auswaertiges-amt.de

[7] America's Uncertain Presence in Haiti's Uncertain Future; commentarymagazine.com 18.01.2010

 

Haiti vor neuer US-Besatzung?

von Harald Neuber

USA stocken ihre Truppen von 60 auf rund 10.000 Mann auf. Wachsende Kritik von Hilfsorganisationen und aus Lateinamerika. Gibt es eine verdeckte Agenda?

Haiti kommt nicht zu Ruhe. Gut eine Woche nach dem verheerenden Erdbeben hat am Mittwochmorgen (Ortszeit) ein Nachbeben den Karibikstaat erschüttert. Ob es dabei zu weiteren Opfern kam, war zunächst nicht klar. In dem Land herrschen weiter chaotische Bedingungen, obgleich international massive Hilfsmaßnahmen angelaufen sind. Die andauernden Probleme schüren nun auch die Kritik an den USA. Die gewaltige Militärpräsenz behindere die humanitären Hilfsmaßnahmen, heißt es vor Ort. Die französische Regierung und nichtstaatliche Hilfsorganisationen haben offiziell Protest eingelegt. Lateinamerikanische Staaten beklagen gar eine militärische Invasion im Schatten der Naturkatastrophe. In der Tat werden die Anzeichen für eine verdeckte politische Agenda immer deutlicher. Patrick Elie sieht die massive Militärpräsenz der USA mit wachsendem Unmut. Es gibt hier keinen Krieg", sagt der ehemalige haitianische Verteidigungsminister. Man brauche in Haiti vorrangig keine Soldaten, sagt Elie im Gespräch (1) mit dem Nachrichtensender Al-Dschasira. Welche Maschinen auf dem stark beschädigten Flughafen der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince landen und welche nicht – das dürfe alleine von Haitianern entschieden werden, sagt das ehemalige Kabinettsmitglied. Die Realität aber sieht anders aus. Unmittelbar nach dem Beben am Dienstag vergangener Woche hat die US-Armee die Kontrolle des internationalen Flughafens übernommen. Nach Angaben aus Washington geschah dies auf Bitte der amtierenden Regierung von Präsident René Préval. Eine entsprechende Erklärung (2) erschien erst Tage nach der Übernahme des Flughafens durch die US-Armee. Eine Bestätigung dieser Darstellung aus Haiti gibt es nicht. Auch hat die Übernahme des strategisch wichtigen Flughafens die Lage nicht verbessert. Ganz im Gegenteil: Zahlreiche Organisationen und Staaten protestieren gegen das Management der Armee. Sie habe Landungen wichtiger Hilfsgüter wiederholt untersagt.

 

Massive Truppenverlegungen der USA

Nach Angaben der US-Regierung und der Armeespitze sind inzwischen gut 10.000US-Soldaten gen Haiti in Marsch gesetzt worden, unter ihnen 2000 Soldaten des Marine-Corps. Blanche Petrich, die Korrespondentin der mexikanischen Tageszeitung La Jornada, beschrieb (3) die Landung dieser Elitesoldaten vor dem weitgehend zerstörten Präsidentenpalast in Port-au-Prince am Dienstag. Unter großem Lärm setzten Black-Hawk-Hubschrauber der 82.US-Luftlandedivision im Garten des Präsidentenpalastes auf und wie in einem Kriegsfilm sprangen gut 50 Soldaten mit dem Gewehr im Anschlag aus den Maschinen", schrieb Petrich zu der Szene. Viele Haitianer, fügte sie an,dürften sich dabei an den 15. Oktober 1994 erinnert haben. Damals fand die letzte große Intervention der US-Armee in Haiti statt. Die Korrespondentin berichtet auch von Berichten über die Landung von US-amerikanischen Fallschirmjägern in der Küstenstadt Leogan, rund 50 Kilometer von der Hauptstadt Port-au-Prince entfernt. Vor dem Erdbeben hatten die USA militärischen Quellen zufolge rund 60 Armeeangehörige in Haiti stationiert. In den vergangenen Tagen ist ihre Zahl auf mehr als 7000 angewachsen (4). US-Generalstabschef Mike Mullen gibt die Zahl der mobilisierten Soldaten mit "9000 bis 10.000" an. Zwar hat auch UNO-Generalsekretär die Verstärkung seiner Blauhelmtruppe auf 11.000 angekündigt, doch die Führung liegt klar bei den USA. Koordiniert wird der Einsatz von ihrem Südkommando (5) mit Sitz in Miami im US-Bundesstaat Florida. Neben dem Kriegsschiff USS Bataan (6) hat der Oberkommandierende des Südkommandos, General Douglas Fraser, den Flugzeugträger USS Carl Vinson(7) mit Begleitflotte, das Sanitätsschiff USNS Comfort (8), den Kreuzer USSNormandy (9) und die Fregatte USS Underwood (10) entsandt (11). Die 2000 Mitglieder des Marine-Corps gehören der 22. Einheit (12) ein. Sie sind auch dafür ausgebildet, gegen Unruhen vorzugehen.

 

Klagen gegen die "US-Intervention" aus Lateinamerika

In der Region trifft die Entsendung der US-amerikanischen Kampftruppen auf erheblichen Widerspruch. Die Präsenz der US-Armee käme einer militärischen Intervention gleich, die sich schnell zu einer "permanenten Besetzung"entwickeln könne, warnte (13) Boliviens Vizepräsident Alvaro García Linera. Am Dienstag hatte der Politiker in Port-au-Prince eine Sendung humanitärer Hilfe begleitet. "Wir sind über diese US-amerikanische Militärintervention besorgt, weil dort Truppen sind, die keine Hilfsaktionen ausführen, die keine Leben retten, keinen Schutt beseitigen, keine Leichen bestatten", so García Linera. Er befürchte, dass die USA die Lage ausnutzen, um eine dauerhafte Armeepräsenz in Haiti zu etablieren. Ähnliche Kritik kam aus Venezuela und Nicaragua, deren Verhältnis zu den USA angespannt ist. Die Entsendung der US-Armee sei "unlogisch", beanstandete (14) Nicaraguas Präsident Daniel Ortega: "Haiti bittet um humanitäre Hilfe, nicht um Soldaten". Diese Einschätzung ist nicht nur politisch motiviert. Die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen beklagt in einem Kommuniqué (15), dass die US-Truppen die Landung eines Flugzeugs mit einem mobilen OP-Zelt am Samstag verhindert haben. Die Maschine sei an den Flughafen von Samana in der benachbarten Dominikanischen Republik verweisen worden. Vor dort aus musste das OP-Zelt auf dem Landweg nach Haiti gebracht werden. Eine Verzögerung von 24 Stunden war die Folge. Ähnliche Klagen kamen von anderen Organisationen wie dem Roten Kreuz und sogar von ausländischen Regierungen. Es sei nicht normal, dass ein Flugzeug mit Hilfsgütern abgewiesen wird, beklagte Frankreichs Staatssekretär für Zusammenarbeit, Alain Joyandet: "Es geht hier schließlich nicht um die Besetzung des Landes, sondern um die Rettung von Leben." Kritische Stimmen kamen auch aus Brasilien, nachdem es am Flughafen von Port-au-Prince zu Spannungen mit dem US-Militär gekommen war.

 

Rechte in den USA fordert politische Einflussnahme

Doch nicht nur das Handeln der US-Armee in Haiti wirft Fragen über die Hintergründe der massiven Militärpräsenz auf. Das Erdbeben in Haiti habe nicht nur humanitäre Folgen, es wirke sich auf die Nationale Sicherheit der USA aus, schrieben zwei Tage nach der Naturkatastrophe James M. Roberts und Ray Walser von dem konservativen Think-Tank Heritage Foundation. Es gehe daher nicht nur um kurzfristige Hilfe, sondern auch die langfristige Einflussnahme auf ein "Reformprogramm in Haiti", fordern die beiden Autoren, um nachfolgend deutlicher auszuführen, weshalb diese politische Einflussnahme ihrer Ansicht nach notwendig ist: Die Regierung unter Präsident René Préval ist schwach und nun im wahrsten Sinne des Wortes am Boden zerstört. Kuba und Venezuela, die in der Vergangenheit schon versucht haben, den Einfluss der USA zurückzudrängen, könnten die Möglichkeit nutzen, um sich zu profilieren. James M. Roberts, Ray Waler: American Leadership Necessary to Assist Haiti After Devastating Earthquake (16) Es sei "höchstwahrscheinlich", dass die Hilfsaktion nach der Naturkatastrophe nun genutzt wird, um eine langfristige Militärpräsenz der USA in Haiti zu etablieren, schreibt auch der politische US-Autor Michel Chossudovsky. Im Gespräch mit Telepolis kommentiert Bill Quigley von US-amerikanischen Zentrum für Verfassungsrechte (17) mit Sitz in New York die Berichterstattung in den USA über die Katastrophe kritisch. Zahlreiche Medien schürten den Eindruck, dass die mangelnde Sicherheit und Plünderungen das Hauptproblem seien, sagte der Leiter des Privaten Forschungsinstitutes. Die Darstellung dieser vermeintlichen Probleme leiste der Militarisierung Vorschub. Kaum jemand hinterfrage, weshalb zahlreiche zivile Organisationen seit Jahren und auch nach dem Erdbeben ohne militärischen Schutz in Haiti arbeiten und Hilfe leisten. Gleiches trifft auf Helfer aus Lateinamerika –unter ihnen knapp 500 kubanische Ärzte – zu.

 

Links(1) http://www.racewireorg/archives/2010/01/theres_no_war_here_haiti_moving_from_disaster_site_to_miitary_zone.html

(2) http://www.state.gov/r/pa/prs/ps/2010/01/135288.htm

(3) http://www.jornada.unam.mx/2010/01/20/indexphp?section=mundo&article=019n1mun

(4) http://www.defense.gov/news/newsarticle.aspx?id=57614

(5) http://www.southcom.mil/appssc/index.php

(6) http://www.bataan.navy.mil/default.aspx(7) http://www.cvn70.navy.mil/

(8) http://www.med.navy.mil/sites/usnscomfort/Pages/default.aspx

(9) http://www.normandy.navy.mil/default.aspx

(10) http://www.underwood.navy.mil/default.aspx

(11) http://www.southcom.mil/AppsSC/news.php?storyId=2030

(12) http://www.22ndmeuclan.com/

(13) http://www.diariocolatino.com/es/20100119/internacionales/75895/

(14) http://www.alternativabolivariana.org/modulesphp?name=News&file=article&sid=5881

(15) http://www.msf.org/msfinternational/invokecfm?objectid=4B1BC357-15C5-F00A-25B52D216B70FFA3&component=toolkitarticle&method=full_html

(16) http://www.heritage.org/Research/LatinAmerica/wm2754.cfm

(17) http://ccrjustice.org/Telepolis Artikel-URL: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/31/31938/1.html - 20.01.2010

 

Date: Tue, 19 Jan 2010 13:08:42 +0100 From: "Klaus E. Lehmann"

Haiti: Landebahn blockiert

Eine Woche nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti schlägt die Verzweiflungder Menschen zunehmend in Wut über die ausbleibende Hilfe um, die noch immer nur unzureichend bei den Menschen ankommt. Haitianische Polizisten und UN-Soldaten gingen mit Tränengas und Schüssen gegen Menschen vor, die sich in zerstörten Ladengeschäften mit Lebensmitteln versorgen wollten. Wie die AP-Korrespondenten Michelle Faul und Alfred de Montesquiou ausPort-au-Prince berichteten, fuhr die Polizei mit Lastwagen in eine Menge am Alten Markt der Hauptstadt, um Hunderte Menschen auseinander zu treiben. Im Stadtteil Delmas lynchten aufgebrachte Einwohner zwei mutmaßliche Plünderer. Die Behörden warnten davor, daß sich die Gewalt weiter ausbreiten könnte. Zugleich wächst jedoch auch die Kritik an den USA, die den Flughafen der Hauptstadt besetzt haben und mit Tausenden Soldaten die Kontrolle über das Land übernehmen wollen. Washington wird vorgeworfen, die einzige Landebahn des Flughafens für die Evakuierung von US-Bürgern zu beanspruchen. »Sie fliegen nur die US-Amerikaner aus und nicht die anderen«, kritisierte der 50jährige Franzose Charles Misteder. »Sie lassen uns nicht nach Hause.«Diplomaten anderer Staaten versuchten wütend, eigene Landsleute zu wartendenFlugzeugen zu führen. Der US-Botschafter in Haiti, Kenneth Merten, räumte Schwierigkeiten ein. »Es ist normal, daß es Frustrationen gibt«, sagte er. Die Gemeinschaft der Karibikstaaten (CARICOM) protestierte gegen die Weigerung der USA, eine Abordnung der englisch- und französischsprachigen Länder der Region in Port-au-Prince landen zu lassen. Die Delegation, zu der mehrere Staatschefs gehörten, mußte nach Jamaika zurückkehren. Auch Frankreich, Brasilien, Nicaragua und andere Staaten protestierten gegen die willkürlichen Entscheidungen der US-Truppen, die den Flughafen kontrollieren Jamaikas Premierminister Bruce Golding bot deshalb den Flughafen von Kingsley als Operationsbasis für die Hilfslieferungen an, da dieser nur 45 Flugminuten von Haiti entfernt ist. Auch Venezuela hat eine See- und Luftbrücke nach Haiti eingerichtet. Präsident Hugo Chávez erklärte, sein Land werde Haiti soviel Erdöl liefern, wie das Land benötige. Zugleich forderte er US-Präsident Barack Obama auf, Haiti wirkliche Hilfe anstelle von Soldaten mit Kriegsbewaffnung zu schicken. Die russische Regierung kündigte an, ihre Hilfslieferungen zunächst nach Venezuela zu bringen, damit sie von dort aus nach Haiti weitertransportiert werden können. Haitis Staatschef René Preval ist unterdessen in die benachbarte Dominikanische Republik gereist, um mit seinem Amtskollegen Leonel Fernándeze in internationales Gipfeltreffen vorzubereiten, auf dem die Hilfe für Haiti koordiniert werden soll. An dem Treffen sollte auch die spanische Vizeregierungschefin María Teresa Fernández de la Vega als Vertreterin der EU teilnehmen.(AFP/apn/PL/jW) – 19. Januar 2010

 

 19 Jan 2010 13:15:06 +0100 From: "Klaus E. Lehmann" <latinartmusic@web.de>Subject:

Kuba solidarisch mit Haitianern

Erdbebenexperten ergänzen die 400 Mediziner auf der Nachbarinsel

Von Leo Burghardt, Havanna

Kuba plagt eine ungewöhnliche Kältewelle und die absurde Einstufung als Terrorismus förderndes Land seitens der USA. Doch all das wird überlagert durch das Erdbeben beim östlichen Nachbarn Haiti, wo kubanische Hilfskräfte ihr Bestes geben. In Kuba haben sich die Prioritäten durch das Beben in Haiti gründlich verschoben. Es geht nicht mehr um die aktuelle Kältewelle mit Morgentemperaturen von 4 bis 9 Grad. Auch tagsüber schafft es das Thermometer nur selten über die 21. Die Meteorologen werden nicht müde zu dementieren, dass das nicht der Anfang vom befürchteten Klimawandel ist. Sie haben Statistiken aus den vergangenen Jahrhunderten aus den Archiven gekramt mit denen sie nachweisen können, dass es nicht zum ersten Mal so kalt ist. 1993 zum Beispiel oder 1970, da hatten sich die Kubaner auch schon eingemummt wie die Inuit. Vom Tisch ist zunächst ebenfalls die Perfidie der Obama-Regierung, die Kubaner wie unter George W. Bush in die Liste der Länder einzuordnen, die den Terrorismus fördern. Kein anderes Land ist seit einem halben Jahrhundert öfter Zielscheibe von Terrorgangstern gewesen, die fast immer vom Boden der USA aus operierten. Die »Washington Post« disqualifizierte die Einstufung als »ganz einfach lächerlich«. Das Wichtigste jetzt ist das Erdbeben in Haiti, das nur etwa 80 Kilometer von der Ostküste Kubas entfernt schwere Verwüstungen anrichtete. Und zwar ausgerechnet in der Region, die am dichtesten bevölkert ist und wo selbst für solide erachtete Regierungsbauten zu Boden gingen. Ärmer als die Haitianer ist kein Volk in Lateinamerika und der Karibik. Vor Kubas Ostküste verhielt sich das Meer erstaunlich ruhig. Dennoch aktivierte die ausgezeichnet funktionierende Zivilverteidigung präventiv einen Alarmzustand ersten Grades, denn sie schloss einen Tsunami nicht aus. So wurden aus den küstennahen Gebieten 40 000 Menschen in höher gelegene Gebiete evakuiert, Hubschrauber – mit potenten Schallkanonen ausgerüstet –kontrollierten aus der Luft die Rettungsaktionen, gaben Hinweise, wie sich zum Beispiel das Meer zwischen Haiti und den Windward-Inseln verhielt, um auch jeden Ansatz von Panik zu verhindern. Im Osten der Insel wackelt die Erde relativ oft, aber nur so, dass bisher weder Menschen noch Gebäude beschädigt wurden. Kuba hat sofort 60 Erdbebenexperten, die ihre Erfahrungen nach dem großen Beben in Pakistan gesammelt haben, in Marsch gesetzt. 400 Mediziner und Paramediziner arbeiten schon seit Monaten auf der Nachbarinsel. Thema Nummer eins ist in Kuba bis auf Weiteres die Solidarität mit der Bevölkerung des karibischen Nachbarstaats. Wie weit Kuba dabei zu gehen bereit ist, zeigt sich daran, dass Havanna den USA erlaubt, für Hilfsaktionen in der Erdbebenregion Haiti den kubanischen Luftraum zu nutzen. Um Verletzte auszufliegen, dürfen US-Flugzeuge auf dem Weg vom Stützpunkt Guantanamo auf Kuba nach Miami kubanischen Luftraum kreuzen. Dadurch werden etwa 90 Minuten gewonnen.

Neues Deutschland, 18.01.2010 

 

Ärzte oder Soldaten

Während kubanische Mediziner Leben retten, besetzt das US-Militär Haiti

Von Enrique Torres, Port-au-Prince (Prensa Latina)

Das am Montag gerettete kleine Mädchen Karla Lexandre hat die Hoffnungen der Helfer wiederbelebt, auch eine Woche nach dem Erdbeben doch noch Menschen lebend aus den Trümmern bergen zu können. Experten aus verschiedenen Ländern hatten zuvor praktisch die Hoffnung aufgegeben, daß Menschen diese lange Zeit ohne Trinkwasser unter den Schuttbergen eingestürzter Gebäude überleben könnten. Das gerettete Mädchen wurde in das Universitätskrankenhaus des Friedens in Port-au-Prince gebracht und dort von kubanischen Ärzten behandelt. Mediziner aus fünf Ländern betreiben derzeit das Hospital, unter ihnen die Pädiaterin Gladis Salas, die als eine von mehr als 400 kubanischen Medizinern bereits seit zwei Jahren in dem ärmsten Land des Kontinents arbeitet. Sie berichtete der Agentur Prensa Latina, daß das Mädchen körperlich fast unverletzt gewesen sei, obwohl das Haus, in dem es sich während des Erdbebens aufgehalten hatte, vollkommen in sich zusammenstürzte. »Aber sie ist stark ausgetrocknet. Wir haben begonnen, ihr Flüssigkeit zuzuführen, um ihren Allgemeinzustand zu verbessern und sie besser untersuchen und ihr Leben retten zu können«, so die Kinderärztin. Die Menschen in Port-au-Prince wollen weniger die mittlerweile überall präsenten Soldaten als vielmehr und ganz dringend Lebensmittel, Wasser, medizinische und technische Unterstützung sowie Gelegenheiten zur Arbeit. Am Dienstag bildeten sich ab den frühen Morgenstunden erneut lange Menschenschlangen an den Hauptverkehrsadern der Stadt. Die Menschen suchten nach einem Stück Brot für ihre Kinder und andere Angehörige, die oft eine weitere Nacht unter freiem Himmel verbringen mußten. Hunderte Opfer der Naturkatastrophe zogen in der Hoffnung zum internationalen Flughafen »Toussaint L’Ouverture«, daß ein Teil der Hilfslieferungen, die dort aus aller Welt eintreffen, irgendwie auch in ihre Hände gelangen würde. Aber die Landebahn des Flughafens gleicht weniger einem internationalen Zentrum zur Verteilung humanitärer Hilfsgüter, als vielmehr einer kampfbereiten US-Militärbasis. Die Präsenz der großen Transportflugzeuge der US-Luftwaffe wäre aufgrund ihre Ladekapazitäten noch nachvollziehbar, aber das Bild wird vor allem von dem massiven Aufmarsch der US-Soldaten geprägt. »Dieses Land braucht Ärzte, Architekten, Ingenieure, damit sie beimWiederaufbau helfen. Wir brauchen keine Soldaten, auch wenn das hier einige offenbar glauben«, kritisierte der junge Haitianer Cantón Wilson, der sich seit dem Erdbeben fast ununterbrochen um die Opfer der Katastrophe gekümmert hat. Er studiert noch in Kuba Medizin, wo er sich als Chirurg spezialisieren will. Sein viertes Ausbildungsjahr steht bevor, und er machte gerade Urlaub bei seiner Familie, als die Katastrophe hereinbrach. Wilson entschied sich, in seiner Heimat zu bleiben und zu helfen. Haiti brauche keine »Belagerung«, sondern »Solidarität, Brüderlichkeit und Frieden«, kritisierte der angehende Mediziner den Militäraufmarsch der USA. Am 15.Januar war der Flugzeugträger »Carl Vinson« vor der Küste Haitis eingetroffen. Ihm folgten die Kriegsschiffe »Underwood« und »Normandy« sowie der Hubschrauberträger »Bataan«. Auch 2000 Marineinfanteristen und 3000 Elitesoldaten der 82.Luftlandedivision der US-Armee trafen zwei Tage nach dem Erdbeben in Haiti ein. Ihre Kriegswaffen taugen nur wenig oder gar nicht dazu, die menschlichen und materiellen Konsequenzen der Katastrophe zu lindern. Die haitianischen Behörden befürchten mittlerweile bis zu 200.000 Tote, mehr als70.000 wurden bereits in schnell ausgehobenen Massengräbern beigesetzt.

junge Welt, 20. Januar 2010