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Der Sudeljournalismus
 Die ARD verbreitet Fake News gegen China.
https://www.rubikon.news/artikel/der-sudeljournalismus
von Friedhelm Klinkhammer, Volker Bräutigam

Schlimmes China!
Von der Volksgemeinschaft der Uiguren wird angeblich jeder Fünfte derzeit in Internierungslagern gefangen gehalten. Sagen gut unterrichtete Kreise, die sich auf glaubwürdige Quellen berufen. Eigene Recherchen — Fehlanzeige! Und das Fernsehvolk vertraut diesbezüglich ohnehin blind der guten alten Tante ARD, die seit Menschengedenken um 20 Uhr den gemütlichen Fernsehabend einläutet. Wem da nicht Fake-aliengeruch in die Nase dringt, der sollte sie mal kräftig putzen.
Die großen fünf „F“:
Feierabend, Filzlatschen, Flaschenbier, Fernsehen, Fäjk njuhs. 20 Uhr, die Erkennungsmelodie der Tagesschau initiiert quer durch die Republik
das „Plopp!“ beim Entfernen des Kronenkorkens. Du leerst die Flaschen im gleichen Tempo, in dem dir die Hamburger Qualitätsjournalisten die Birne mit Pseudoinformation auffüllen. Was dich schneller besoffen macht, hängt von deiner physischen und mentalen Kondition ab.

Du bist schon halb weggedämmert – gleich kommt der Wetterbericht – da knallt dir diese Nachricht auf die Ohren:

„Die Führung in China geht nach Angaben der Vereinten Nationen mit zunehmender Härte gegen die muslimische Minderheit der Uiguren vor. Nach UN-Schätzungen werden mehr als eine Million Uiguren in lagerähnlichen Einrichtungen festgehalten. Es gebe Berichte über Folter und Misshandlungen. Das in der Region Xinjiang beheimatete Turkvolk fühlt sich kulturell und politisch unterdrückt. Nach blutigen Unruhen 2009 und nach einer Reihe von Terroranschlägen gehen die Behörden massiv gegen die Minderheit vor“ .

Zur Illustration ist hinter der Studio-Sprecherin eine Landkarte des Fernen Ostens eingeblendet, das Staatsgebiet der Volksrepublik China farblich abgesetzt und mit dem Schriftzug versehen:

Eine Million Uiguren in Lagern festgehalten.
Mehr als eine Million Lagerhäftlinge! Gefoltert und misshandelt! Das Volk der Uiguren kulturell und politisch unterdrückt! Eine Ungeheuerlichkeit. Warum tut denn da keiner was gegen? Regt sich hier niemand auf? Was ist los mit unserer Westlichen Wertegemeinschaft, WWG? Wo bleiben die Bundesregierung und die USA, unser mächtiger Verbündeter, Freund und „Partner in leadership?“

Sachte, sachte, lieber Nachbar!
Du braver Soozi! Bevor du das Dum-Dum-Geschoss Heiko Maas einlegst und damit der Gelben Gefahr entgegentrittst: gemach! Erst die Diagnose, dann vielleicht eine Therapie. Was haben wir denn da für eine Nachricht vor uns? Merkst du nicht, wie heftig die gegen den Wind stinkt? …mehr bei:
http://www.barth-engelbart.de/?p=204264



US-Bürger im Knast?

Die USA haben mit 706 pro 100.000 Einwohnern (2011)
die zweithöchste Inhaftierungsrate der Welt
In Staats- und Bundesgefängnissen waren am 31. Dezember 2008 in Haft:
•4.347 von 100.000 farbigen Männern und 260 von 100.000 farbigen Frauen
•1.771 von 100.000 männlichen Latinos und 133 von 100.000 weiblichen Latinos
•678 von 100.000 weißen Männern und 91 von 100.000 weißen Frauen
Insgesamt sind 1,65 % der schwarzen gegenüber 0,27 % der weißen US-Bevölkerung (U.S. residents) in Staats- und Bundesgefängnissen inhaftiert.[2]…aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Gef%C3%A4ngnissystem_der_Vereinigten_Staaten


SKLAVEREI FEIERT IN USA FRÖHLICHE URSTÄND !
Von jeweils 100 US-Bürgern sitzt einer im Knast 
Über eine Million der rund 2,3 Millionen Gefangenen werden ohne Lohn zur Arbeit
gezwungen. In Knastfabriken oder in Außenkommandos als Feldarbeiter, Feuerwehrleute und in Bautrupps oder als »Hausarbeiter« in Küchen und Reinigungsdiensten der Knäste schuften sie ohne die Minimalbedingungen von Entlohnung und Arbeitsschutz. Die Arbeitssklaven werden gegen die Beschäftigten draußen als Lohndrücker ausgespielt
Gefangene in den USA protestieren gegen Zwangsarbeit. Unterstützung auch außerhalb der Knäste. Behörden gehen gegen Aktivisten vor Von Jürgen Heiser  In den USA ist ein Gefangenenstreik gegen staatlich verordnete Zwangsarbeit erfolgreich beendet worden. Für die Zeit vom 21. August bis 9. September hatten organisierte Häftlinge landesweit zu Aktionen aufgerufen. Die Beteiligung war größer als erwartet, wie die Aktivisten im »undemokratischen Sektor« des Landes hinter den Knastmauern feststellten. Auch war die Solidaritätsbewegung draußen so stark wie lange nicht. Zahlreiche Kundgebungen und Demonstrationen entfachten in der Folge ein insgesamt größeres Interesse der lokalen und überregionalen US-Medien.  Mit Arbeitsniederlegungen, der Verweigerung der Nahrungsaufnahme und vielfältigen gewaltfreien Aktionen des zivilen Ungehorsams machten die Häftlinge die Öffentlichkeit erneut auf das Problem aufmerksam, dass weit über eine Million der rund 2,3 Millionen Gefangenen ohne Lohn zur Arbeit gezwungen werden. In Knastfabriken oder in Außenkommandos als Feldarbeiter, Feuerwehrleute und in Bautrupps oder als »Hausarbeiter« in Küchen und Reinigungsdiensten der Knäste schuften sie ohne die Minimalbedingungen von Entlohnung und Arbeitsschutz, die in gut 150 Jahren seit dem Ende des Amerikanischen Bürgerkriegs von der multiethnischen Arbeiterbewegung der USA erkämpft wurden.  »Die Sklaverei wurde nie beendet«, lautete deshalb das zentrale Motto der Protestaktion des Gefangenenkollektivs »Jailhouse Lawyers Speak« (JLS). Obwohl nach dem Bürgerkrieg zwischen den industriell entwickelten Nordstaaten und den durch Sklavenarbeit zu Wohlstand gekommenen Plantagenstaaten des Südens der USA mit dem 13. Zusatzartikel zur US-Verfassung Sklaverei und Zwangsarbeit offiziell verboten wurden, gilt bis heute die »rechtskräftige Verurteilung wegen einer Straftat« als Ausnahme. Das wollen die Streikenden nicht mehr tatenlos hinnehmen.  Wie bei den letzten großen landesweiten Streikkampagnen im September 2016 und im Januar 2018 war auch jetzt wieder eine der zentralen Forderungen der Streikenden die Einführung einer tarifgerechten Bezahlung. Zudem verlangten sie ein wirksames Beschwerderecht und eine grundlegende Strafrechtsreform. Diese soll bewirken, dass bei kleinsten und gewaltlosen Delikten keine langen Haftstrafen mehr verhängt werden und die gängige rassistische Praxis abgeschafft wird, vor allem Schwarze und Latinos mittels hoher Haftstrafen massenhaft der ständig wachsenden Knastindustrie als Arbeitssklaven zuzuführen.  Dem sogenannten Insourcing – der Verlagerung von Arbeitsplätzen nicht in Billiglohnländer (»Outsourcing«), sondern in Produktionsstätten im Strafvollzug – haben die Streikenden den Kampf angesagt. Hier suchen sie auch den Schulterschluss mit den Gewerkschaften. Es gehe nicht an, dass »von 100 US-Bürgern einer im Knast sitzt und die Arbeitssklaven gegen die Beschäftigten draußen ausgespielt werden«, kritisieren Aktivisten auf der Internetseite »It’s Going Down«.  Das Incarcerated Workers Organizing Committee (IWOC), einer der Protagonisten der Streikbewegung im Herbst 2016, listete am 11. September 2018 auf seiner Website Orte und Details der Streikbewegung auf, wonach sich Häftlinge in zuletzt 34 US-Haftanstalten in 17 US-Bundesstaaten von New York bis Kalifornien und von Michigan bis Florida und sogar im ostkanadischen Halifax beteiligten. Laut IWOC setzten einige Streikkollektive ihre Boykotte, Arbeits-, Hunger- oder Sitzstreiks auch noch über den 9. September hinaus fort.  IWOC berichtete weiter von Repressalien gegen aktive Gefangene und Mitstreitende der Solidaritätsbewegung draußen. In manchen Knästen sei schon vor Streikbeginn der Einschluss aller Gefangenen angeordnet worden. Deshalb gehe es darum, weiterhin »die Mauer des Schweigens um die Vorgänge hinter Gittern zu durchbrechen«. Das sei »für die Verteidigung der Menschenrechte aller, die dort leben müssen, von größter Bedeutung«. In Pennsylvania und Maryland würden beispielsweise Post und Zeitungen unter dem Vorwand von »Maßnahmen zur Eliminierung von Drogen« zurückgehalten, angeblich um »die Sicherheit der Wärter zu gewährleisten«. Dagegen werde derzeit mit Anruf- und Briefkampagnen bei den Verantwortlichen protestiert.   Knaststreik in den USA: »Der Streik lief gut, besser als erwartet« Mitglieder eines Gefangenenkollektivs ziehen Bilanz ihrer Aktionen  »It’s Going Down«, eine Website des »Digitalen Kommunikationszentrums anarcho-antifaschistischer Bewegungen«, veröffentlichte am 3. September ein Interview mit Vertretern des Netzwerks »Jailhouse Lawyers Speak«. Aus Gründen der persönlichen Sicherheit blieben die Namen der Beteiligten ungenannt. Wir dokumentieren Auszüge  Der Streik in zahlreichen Gefängnissen machte Schlagzeilen in den USA. Wie lief die Aktion?  Der Streik lief gut, besser als erwartet. Auch Gefangenen, die nicht daran teilnahmen, machte er wieder die Bedingungen bewusst, unter denen wir eingesperrt sind. Wir haben der Welt klargemacht, dass wir bereit sind, für Veränderungen zu kämpfen.  An Solidaritätsaktionen gab es Gruppen mit Transparenten auf Autobahnbrücken, lautstarke Kundgebungen vor Knästen und Proteste vor den Strafvollzugsbehörden. Was denken Gefangene über die große Unterstützung von außen?  Die Unterstützung außerhalb der US-Konzentrationslager war phänomenal. Ohne die mutigen Aktionen unserer Unterstützer wären der Streik und unsere Forderungen nicht bekannt geworden. Das hat nicht nur die Gefangenen begeistert, sondern es ließ die Bürger, die sich sonst nicht für das interessieren, was hinter den Mauern läuft, innehalten, um herauszufinden, was dort vor sich geht.  Der Streik wurde auch von kanadischen Häftlingen und in einem Lager in Tacoma, Washington, aufgegriffen. Wie kam es dazu?  Das Tempo, in dem sich der Streik auf US-Territorium und insbesondere außerhalb des Landes ausbreitete, sagt uns, dass die Bewegung, die den Kampf in den US-Knästen führt, inzwischen internationales Ansehen genießt. Darin zeigt sich auch das universelle Leiden von Gefangenen auf der ganzen Welt. Und wie die US-Gefangenen sind auch andere bereit, den ganzen Scheiß niederzubrennen.  Beim Stichwort »Gefängnis« denken heute viele zuerst an »Rassen- und Bandenkriege«. Wie wurde bei der Organisierung und Durchführung des Streiks an der Überwindung dieser Trennungslinien gearbeitet, um gegen die Bedingungen, unter denen gemeinsam gelitten wird, vorgehen zu können? Gibt es jetzt einen größeren Zusammenhalt unter den Gefangenen?  Der Streik richtete sich direkt gegen die Knastbürokratie, aber auch gegen Häftlinge, die anscheinend von der aus rassistischen und sexistischen Motiven betriebenen Spaltung unter Gefangenen profitierten. Mit dem Streik stoßen wir diese Mitgefangenen drauf, dass es an der Zeit ist, sich auf die wahren Ursachen der Wut, Frustration und Depression der Gefangenenklasse zu konzentrieren. Dafür sind nicht die Gefangenen verantwortlich, sondern die Knastbürokraten und Gesetzgeber. Sie legen die sozialen Bedingungen für die Gefangenen fest. Eines der stärksten Repressionsinstrumente besteht darin, die Angehörigen der arbeitenden Klasse so weit zu bringen, dass sie konstant gegeneinander Krieg führen. Hinter den Kulissen arbeiten wir mit Organisationen draußen daran, gemeinsam etwas gegen die Gefängnisse aufzubauen. Aber das steckt alles noch in den Anfängen.  Wie hat das Gefängnissystem auf den Streik reagiert? Das lief wie vermutet. Die Schlägertrupps der Schließer stellten alles auf den Kopf. Wer verdächtigt wurde, den Streik oder irgendwelche Formen von Widerstand anzuführen, wurde sofort isoliert, Post wurde aufgehalten oder zurückgeschickt, persönliche Habe beschlagnahmt, und wir haben auch einige Übergriffe von Wärtern auf Gefangene festgestellt. Nach dem Ende des Streiks wird es noch einige Zeit dauern, bis wir alle persönlichen Horrorgeschichten erfahren.  Was kommt als nächstes nach dem Streik? Wir werden unsere Forderungen weiterverfolgen. Dazu könnte es im nächsten Jahr einen weiteren Streiktermin geben. Wir wollen sicherstellen, dass wir gehört werden. Die Leute draußen können sicher sein, dass wir nicht lockerlassen. Viel zu viele Gefangene sind bereits gestorben, und weitere werden sterben, wenn wir uns mit diesen Verhältnissen abfinden. Wir danken allen für ihre Unterstützung. Die Organisierung unserer Bewegung hinter den Mauern kommt besser voran, wir vernetzen uns über ausgeklügelte Kommunikationskanäle. In den kommenden Jahren werden wir härter daran arbeiten, das Sklavensystem des gefängnisindustriellen Komplexes zu demontieren. Alle Macht dem Volke!  

Kampf um die Köpfe der Afrikaner
Z. B. China versus Großbritannien und USA
Konkurrenz zur Verbreitung der Ideologie der "westlichen freiheitlichen Demokratischen Grundordnung" über die Systemimmanenten Universitäten.
"Dank Zehntausender Stipendien hat die Zahl afrikanischer Studenten in China vor zwei Jahren erstmals die Zahl derer überstiegen, die in Großbritannien oder den USA studieren. Auf diese Weise exportiert Beijing sein politisches Kadersystem weiter in die Welt." Kommentar des Tagesspiegels zur chinesischen Entwicklungszusammenarbeit mit afrikanischen Ländern 

Österreich wird Kolonialmacht:
FPÖ-Parlamentarier will Nordafrika besetzen Wien. Der Vorsitzende des Landesverteidigungsausschusses des österreichischen Nationalrats, Reinhard Bösch, hat vorgeschlagen, Teile Nordafrikas zu besetzen, um dann Flüchtlinge dorthin abzuschieben. »Dort könnte mit militärischen Kräften ein Raum in Besitz genommen werden«, sagte er in einem von der Zeitung Neue am Sonntag veröffentlichten Interview. Auf Nachfrage des Interviewers erklärte er, es werde »nur eine Besetzung auf Zeit sein müssen«, denn dann werde »automatisch« auch der »Flüchtlingsstrom« abebben.
 

DEMNÄCHST....?                     ( WAS NOCH? WER WEISS?)


2014 ERSCHIENEN:

GEORGE PACKER - DIE ABWICKELUNG
ODER DAS ENDE DES AMERICAN DREAM

Früher hieß es, der John F. Kennedyflughafen von New York sehe aus wie ein Flughafen in der Dritten Welt. Heute sehen selbst Dritte-Welt-Flughäfen besser aus als der JFK. So der amerikanische Autor Elliot Weinberger kürzlich, und er fasste damit polemisch einen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Abwärtstrend in den USA zusammen, dem George Packer in seinem neuen Buch auf den Grund geht. Das Buch "Die Abwicklung: Eine innere Geschichte des neuen Amerika" beschreibt die enorme Veränderung, die die USA in den letzten 35 Jahren durchlaufen haben.

Der Autor George Packer lässt  uns Entwicklungen verfolgen, die teilweise schon und möglicherweise noch verstärkt auch auf Deutschland zukommen.
Das Ende der 70er-Jahre markierte den Beginn der Deindustrialisierung in den USA, die zuerst die Stahlindustrie massiv traf, die Gewerkschaften schwächte und dann die gesamte Gesellschaft durchdrang. Die Entwicklung der letzten Jahrzehnte versetzt ihn in Wut, und er verwendet diese Wut für einen scharfsichtigen, kritischen Blick auf den Eigennutz und die Kurzsichtigkeit der amerikanischen Elite. Anhand von Fallbeispielen wird für uns Leser nachvollziehbar, wie diese das Land wissenden Auges auf ein Desaster zusteuern und eine beispiellose Polarisierung herstellen zwischen den Wenigen, die im Begriff sind, alles an sich zu raffen und der Masse, die bald nichts mehr hat.

Da wird der Peter Thiel beschrieben, der ein Großteil seines Vermögens verliert, bei ihm führt das jedoch weder zu einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Neoliberalismus noch zu gesellschaftlichem Engagement. Der Mann investiert den Rest seines immer noch beträchtlichen Vermögens, darauf in Technologien zur Verhinderung des Todes, die nur Billionären wie ihm zur Verfügung stehen. (Z. B. Kryotechnik, kurz vor dem Tod durch eine unheilbare Krankheit, sich einfrieren lassen, und die Wiedererweckung erfolgt beim Vorhandensein eines Heilmittels) Außerdem setzt er auf die Gründung schwimmender Kolonien in den Weltmeeren, wo der Pöbel keinen Zutritt hat. Demokratie jedenfalls ist in Thiels Augen eine Bedrohung für die Zukunft. Vermögenssteuer ist staatlicher Diebstahl.

<<"Als Liberalist begrüßte er ein Amerika, in dem weder auf die alten Institutionen mehr Verlass war, noch auf die Gemeinschaften, die lange das einzige Sicherheitsnetz geboten hatten, die jedem, der dazugehörte, eine Stelle im Leben angewiesen und die gemeinsamen Ziele vorgegeben hatten. All das widerspricht Thiels Vorstellungen immer schon zutiefst.">>

"Wenn Tammy über den aufgebrochenen Asphalt ihrer Kindheitsstraßen fuhr, staunte sie immer wieder über die leeren Grundstücke, über die Stille in den einst so lebendigen Straßen. Sie hatte vielleicht gehofft, dass die alten Familien noch einmal aus ihren Häusern treten würden, und war nun enttäuscht, dass von dem Viertel nichts übrig geblieben war.....Die Geschäfte und Schulen, die Kirchen, Spielplatze, Obstbäume - es war alles weg. Auch die Hälfte der Häuser war verschwunden und zwei Drittel ihrer Bewohner...."...Beim Zerfall der Stadt wurden nicht Banker, Spekulanten oder Politiker mit in den Abgrund gerissen, wie Packer in einem Kapitel schildert, sondern wie üblich tausende gewöhnliche Leute. Vor Gericht wurden täglich 120 Verfahren in geradezu maschineller Weise und ohne Rechtsgrundlage durchgejagt, so schnell verloren die Leute ihre Häuser. Oft wusste niemand mehr, bei wem die Besitzrechte eines Hauses lagen, so oft waren die überbewerteten Hypothekenpapiere weiterverkauft worden. Und dann gibt es noch jene Einwohner Tampas, die sich kaum die Miete leisten können, wie die Hartzells, die arbeitslos werden, verarmen...Das Eisenbahnprojekt, das Tampas wieder eine Zukunft hätte geben können, wurde von der Tea Party verhindert, die darin Anzeichen für sozialistische Machenschaften sah. Und hier schlägt Packer einen Bogen zu einem weiteren Katalysator des wirtschaftlichen Niedergangs, - den Medien. Sowohl in den Printmedien, als auch bei Funk und Fernsehen haben religiöse und ultrakonservative Kräfte wie die Tea Party heute mächtige Partner.

Die Abschaffung der freien Stimme der freien Welt
Spätestens mit der Abschaffung der "Fairness Doctrine", die seit 1949 jeden Sender verpflichtet hatte, wichtige öffentliche Angelegenheiten objektiv und ausgewogen darzustellen, wurde der seriöse Journalismus kontinuierlich ersetzt durch tendenziöse konservative Programme wie Fox News.

Lobbyismus und andere Verwicklungen ergeben eine Achse des Bösen
Die fatale Verbindung zwischen Wallstreet und Washingtoner Politik wird im Porträt des Lobbyisten Jeff Connaughton anschaulich. Mit seinem Lebenslauf liefert Packer das wohl eindrücklichste Beispiel dafür, wie die Legislative und das Justizsystem durch die Macht großer Konzerne ausgehöhlt werden. Connaugthon begann seine Karriere als glühender Unterstützer Joe Bidens, den er über 20 Jahre in seiner Laufbahn als Nummer zwei der amerikanischen Politik begleitete. In seiner Zeit am Capitol Hill war er zugleich an der Wallstreet beschäftigt und Teil der lukrativen Welt der Lobbyisten. Bei Connaughton wird das, was sich zwischen Großkonzernen und Amerikas Gesetzgebung abspielt, wirklich wie eine Achse des Bösen...."Power-Paare hatten noch ganz andere Möglichkeiten, zwischen Politik und Wirtschaft zu pendeln. Wenn einer das Geld nach Hause brachte, konnte sich der andere in der Regierung hocharbeiten, das Insiderwissen, das sie dabei sammelten, floss wiederum in beide Richtungen [...] In Washington konnte Bettgeflüster Millionen wert sein [....] Einige dieser Paare gehörten der permanenten Klasse in Washington an, einer Gruppe von Finanzleuten, die die Achse zwischen Wall Street und Washington bildeten und im Finanzministerium, im Finanzausschuss oder in den Aufsichtsbehörden arbeiteten.

Packers innere Geschichte des neuen Amerika ist ein sorgfältig recherchiertes Buch über ein Phänomen, das sich auch in Europa seit der Finanzkrise nachzuzeichnen beginnt. Erzählerisch macht er sowohl Ursachen als auch die zerstörerischen Konsequenzen anhand lebendiger Geschichten anschaulich. Durch die erzählte detaillierte Langzeitbeobachtung und die Auswahl seiner Akteure lassen sich Entwicklungen verfolgen, die wahrscheinlich auch auf Deutschland zukommen werden.
George Packer: "Die Abwicklung: Eine innere Geschichte des neuen Amerika". S. Fischer Verlag, 2014. 512 Seiten, 24,99 Euro.

Ich möchte meinen Lesern die Zeitschrift "inamo", die über die Hintergründe zu Politik und Kultur des Nahen und Mittleren Osten informiert, empfehlen!


Der 1. Weltkrieg und der Nahe Osten
inamo Heft Nr. 79 Jahrgang 20, erschienen am 10. Oktober 2014, Umfang 78 Seiten  EUR 5,50 zuzüglich Versandkosten (Link zum Bestellen ganz unten)

Inhalt mit Gastkommentar (*):
* "Selbst wenn der Staat ein Esel ist, steige nicht auf!"
Von Tyma Kraitt
 
Schwerpunktthema
Der Erste Weltkrieg und der Nahe Osten
Von Alexander Flores
Der nahöstlichen Weltregion sind vom benachbarten Europa erhebliche Hypotheken aufgebürdet worden. Eine der schwersten war der 1. Weltkrieg. Er hat hier nicht nur in Europa selbst schwere Gemetzel und ungeheures Leid für die Bevölkerung mit sich gebracht, sondern auch "wiederum wie in Europa" eine Ordnung begründet, die künftige Katastrophen beinahe unausweichlich macht.
 
Der Schwerpunkt des Heftes Nr. 79 behandelt u.a. den Bau der legendären Bagdadbahn, ab 1903, die dem Deutschen Reich die Möglichkeit bot, an der kolonialen Erschließung in Vorderasien teilzuhaben;  die Marokko-Krisen 1905 und 1911, Kaiser Wilhelms Besuch in Tanger 1905. 1911 besetzte Frankreich Fés, der Kaiser beorderte das Kanonenboot "Panther" nach Agadir, der sogenannte "Panthersprung nach Agadir" war Auslöser der zweiten Marokko-Krise; erst vor einigen Jahren wurde die Hilfe arabischer Beduinen bei der Rettung armenischer Kinder während des Genozids 1916 gewürdigt; mitten im 1. Weltkrieg wird vom britischen Außenminister Lord Balfour eine historische Erklärung herausgegeben, die den Juden eine "Heimstätte in Palästina"   versprach; sorgte sich Großbritannien vielleicht, dass die russischen Wirren zu viele Juden nach England treiben würden, und er suchte eine Möglichkeit sie loszuwerden, eben nach Palästina; der arabische Aufstand jagte die osmanischen Truppen aus ihren ehemaligen Provinzen und brachte die Frage nach Unabhängigkeit dieser Provinzen auf die Agenda, US-Präsident Wilson schickte auf der Pariser Konferenz die King-Crane Commission zur Befragung? Mandat oder Unabhängigkeit - in die Gebiete des Fruchtbaren Halbmondes,  Großbritannien und Frankreich lehnen eine Beteiligung ab; die Entscheidung zur Unabhängigkeit war bei den befragten Repräsentanten, Notabeln und Institutionen, überdeutlich und mündete in einer kurzlebigen syrischen Monarchie, Emir Faisal wird König, trotz aller britischen Versprechungen wird die Teilung des Gebietes gemäß dem Sykes-Picot Abkommen (1915) durchgeführt, Frankreich marschiert in Damaskus ein und erhält das Mandat über Syrien, GB über Palästina; nach der Konferenz von San Remo folgt der Bevölkerungsaustausch zwischen der Türkei und Griechenland, untersucht werden hier die politischen, sozio-kulturellen und wirtschaftlichen Folgen des Austauschs für beide Länder.
 
Der 2. Teil des Schwerpunktthemas 1. Weltkrieg folgt in Heft Nr. 80, Winter 2014:
Wachsende imperiale Bestrebungen Großbritanniens, der entstehende Ölkapitalismus und die Herausforderung sozialer Fragen im Ersten Weltkrieg; 1921, der Prozess gegen den armenischen Studenten Soromon Tehlerjan 1921 in Berlin, der Talaat Pasha, Hauptverantwortlicher des Völkermords an den Armeniern, ermordete; deutsch-arabische Zusammenarbeit im 1. Weltkrieg:
Aufbruch und Erneuerung -  Exilpolitik, Tropenmedizin, Global Sounds und Kriegsfotographie; muslimische Kriegsgefangene in den Brandenburger Lagern; die Politik des Kaiserreichs in Iran, Afghanistan und Zentralasien: Hoffnungen, (Miss-) Erfolge und Legenden.
 
Die Bagdadbahn und die deutsch-britische Rivalität in Mesopotamien
Von Alexander Bahar
Bereits seit 1875 hatte die osmanische Regierung ihren Zahlungsverpflichtungen bei (vor allem in Frankreich und England platzierten) Auslandsdarlehen nicht mehr nachkommen können. Der Preis für die Wiedererlangung der Kreditwürdigkeit des bankrotten Staates war die Akzeptanz eines "drakonischen Inspektions- und Kontrollregimes" in Form der Ottoman Public Debt Administration (PDA), einem mit europäischen, vor allem französischen Banken- und Regierungsvertretern besetzten Aufsichtsgremium.  Um die Gläubiger zu bedienen, hatte die PDA seit 1881 ersten Zugriff auf die osmanischen Staatseinnahmen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren die Zinszahlungen an die PDA die zweitgrößte finanzielle Last der Türkei nach den Ausgaben für den Verteidigungshaushalt. Damit war Konstantinopel in eine De-facto-Abhängigkeit von Frankreich geraten. Die nun geplante wichtigste Landverbindung zwischen Europa und dem Persischen Golf bot der Bau der legendären "Bagdadbahn" dem Deutschen Reich die Möglichkeit, an der kolonialen Erschließung in Vorderasien teilzuhaben.
 
Gefährlicher Besuch
Von Jörg Tiedjen
Als Wilhelm II. am 31. März 1905 Tanger besuchte, kämpfte Marokko seit Jahrzehnten verzweifelt um seine Unabhängigkeit. Bedrängt wurde es vor allem von Frankreich, das sich im Jahr zuvor mit England in der Entente cordiale verbündet hatte. Dieses Abkommen beendete die Konkurrenz der beiden Kolonialmächte um Afrika. Mit der Einschränkung, dass Spanien eigene Besatzungszonen im Norden und Süden zugestanden würden, stand einer französischen Expansion in Marokko nichts mehr entgegen, außer Deutschland. 1898 hatte der Kaiser in Damaskus "alle 300 Millionen Muslime dieser Welt" seiner Freundschaft versichert. Jetzt konnte er beweisen, dass es sich um keine leeren Worte handelte. Wilhelm II. wusste, dass dies bedeutete, einen Krieg mit Frankreich zu riskieren, in den unweigerlich auch England mit hineingezogen worden wäre.

Tanger war verwandelt.
Die Häuser an der "Straße der Christen", wie die einzige breitere und befestigte Gasse hinauf in die Stadt genannt wurde, waren frisch geweißt, die Dächer seit den frühen Morgenstunden voll von Schaulustigen, alles war mit Blumen und Fahnen geschmückt, Marokkaner, Spanier, Engländer und Deutsche hatten sich gegenseitig zu überbieten versucht im Errichten von Triumphbögen und Tribünen. Auch die französischen Kriegsschiffe "Du Chayla" und "Linois" im Hafen standen in voller Beflaggung. Am Strand wartete in einem Zelt Moulay Abdelmalek, der Onkel des Sultans, umgeben vom diplomatischen Korps, darunter Friedrich von Kühlmann, der deutsche Repräsentant?.
 
Armenien: Genozid - Erinnerung an die Hilfe der arabischen Beduinen
Von Katrin Adolph und Karin Pütt
Um an den Genozid im Jahr 1915 zu erinnern, begingen syrische Armenier alljährlich eine Wallfahrt ins syrische Deir ez-Zor einem der "Zielpunkte" der Deportationen. Die dort vor einigen Jahren errichtete große Gedenkstätte mit Museum wurde im November 2012  "also noch vor dem Auftauchen von ISIS" beschädigt. Wer die Schäden verursacht hat und wie sie heute aussieht, ist uns nicht gelungen herauszufinden.
 
Bis Oktober 1915 wurden etwa 300 000 Deportierte über Aleppo in das dünn besiedelte Gebiet zwischen Deir ez-Zor am Euphrat und Mosul am Tigris getrieben. Zwischen April und Herbst 1916 starben auf diesen "Killing Fields" im weiten Umkreis des Zusammenflusses von Euphrat und Khabur wohl zweihunderttausend Menschen: verhungert, erschossen, niedergestochen, verbrannt.
 
Der angestoßene Prozess der Erinnerung an eine gemeinsame Geschichte von Armeniern und Arabern, wie das Gedenken und die symbolische Verneigung von 12 arabischen Stammesführern vor den Opfern des Genozids, ist in den momentanen Kriegswirren untergegangen. Unter Armeniern wird die gegenwärtige Vertreibung der Christen und anderer religiöser Gruppen durch jihadistische Mordbanden mittlerweile in eine Reihe mit den Vertreibungen und dem Völkermord vor fast 100 Jahren gestellt.
 
Johannes Lepsius und die Akten des Auswärtigen Amtes
Der deutsche Theologe, Missionar, Politiker und Historiker Johannes Lepsius veröffentlichte mitten im Ersten Weltkrieg seinen «Bericht über die Lage des Armenischen Volkes in der Türkei», den er in einer Auflage von 20000 Exemplaren an die protestantischen Pfarrämter verteilte. Weiterhin publizierte er «Deutschland und Armenien 1914-1918. Sammlung diplomatischer Aktenstücke», Dokumente des Auswärtigen Amtes aus der Zeit des Ersten Weltkriegs, Dokumente zur Orientpolitik des Kaiserreichs sowie speziell zum Thema Armenier und Armenien. Die deutsche Regierung hatte nur wenige Monate nach Kriegsende ihre Archive den Genozid an den Armeniern betreffend geöffnet. «Kein westliches Land konnte mehr zur Aufklärung des Menschheitsverbrechens beitragen als das mit der Türkei verbündete Kaiserreich, denn deutsche Militärs waren in allen militärischen Organisationen der Türkei in Spitzenpositionen vertreten, deutsche Diplomaten hatten zum Teil engen Kontakt zu den Verantwortlichen und noch am ehesten Zutritt zu den Orten des Grauens.»
 
Nach dem 2. Weltkrieg entdeckten Genozidforscher, dass die von Lepsius veröffentlichten Akten nicht vollständig waren. Aus dem Vergleich der veröffentlichten Dokumente mit den Originalen des Auswärtigen Amtes konnte festgestellt werden, dass es Auslassungen und Fälschungen gegeben hatte. «Systematisch wurden wichtige Hinweise auf die Politik des Deutschen Reichs in Sachen Völkermord, eine deutsche Mitverantwortung sowie eine Beteiligung beispielsweise deutscher Offiziere an Repressionen gegen die Armenier unterdrückt. Auch waren die Namen wichtiger türkischer Beteiligter am Völkermord in der Regel ausgelassen worden.» Das Auswärtige Amt hatte die Dokumente manipuliert und versucht, Spuren zu verwischen. Lepsius hatte nichts davon bemerkt. «Die Unterlagen der einzigen quasi-offiziellen Aktenpublikation des Auswärtigen Amts über den Ersten Weltkrieg wurden nur ein Jahr nach der Veröffentlichung der Dokumente verbrannt, ein ungewöhnlicher Vorgang in einer Behörde, die sehr behutsam mit wichtigen Schriftstücken umzugehen gewohnt ist.»
 
Großbritanniens imperiale Interessen - Kriegsziel Jüdische Heimstätte
Von Rolf Verleger
Im Jahr 1917 schrieb der britische Außenminister Lord Balfour seine historische Deklaration, dass die Regierung Seiner Majestät die Einrichtung einer jüdischen Heimstätte in Palästina mit Wohlwollen betrachte.
Wieso gab mitten im Ersten Weltkrieg die britische Regierung eine solche Erklärung heraus? Wieso ausgerechnet in diesen aufgewühlten Zeiten? Wieso erfolgte die romantisch anmutende Ansiedlung einer "Heimstätte" kurz nach dem Attentat von Sarajewo, dem Massensterben von Verdun, den österreich-italienischen Gebirgsjägermetzeleien, den russischen Revolutionen?
Dieses zeitliche Zusammentreffen wirkt zunächst ganz zufällig. Allenfalls könnte man sich einen Zusammenhang mit den russischen Revolutionen von 1917 vorstellen: Großbritannien sorgte sich vielleicht, dass die russischen Wirren zu viele Juden aus dem Zarenreich nach England treiben würden, und suchte prophylaktisch eine Möglichkeit, diese loszuwerden, eben nach Palästina.
 
Die King-Crane Commission und ihre zionistischen Kritiker
Von Norbert Mattes
Während des 1. Weltkriegs begannen Großbritannien und Frankreich ihre Interessen im Nahen Osten abzustecken. Nachdem es Großbritannien nicht gelungen war, das Osmanische Reich militärisch in die Knie zu zwingen, war es gezwungen, eine Allianz mit den Arabern gegen Deutschland und das Osmanische Reich einzugehen. Das Zustandekommen dieser Allianz wurde nur möglich durch Unterstützung der Loslösung vom Osmanischen Reich und durch (wenn auch) vage Versprechungen der zukünftigen Unabhängigkeit. Gleichzeitig kollaborierten die Kolonialmächte und teilten sich im Sykes- Picot Abkommen das Gebiet des Fruchtbaren Halbmondes unter sich auf. Nach dem 1. Weltkrieg setzten die Amerikaner auf der Pariser Konferenz eine Untersuchungskommission durch, die King- Crane Commission. Sie bereiste die Gebiete des Fruchtbaren Halbmondes (Palästina, Libanon, Bilad ash-Sham/Syrien) und befragte Organisationen, religiöse Würdenträger, Notabeln, Minderheiten nach ihren Vorstellungen über die zukünftige Entwicklung.
 
Die kurzlebige Monarchie Syriens und die imperiale Politik der Kolonialmächte
Von Norbert Mattes
"Kriegsziele und falsche Versprechungen" heisst eine Zwischenüberschrift in Alexander Flores Artikel. Das Kriegsziel wird erreicht, den falschen Versprechungen der Kolonialmächte folgen Taten: In der Nachkriegsregelung wird der Fruchtbare Halbmond zerstückelt. Trat König Faisal noch für eine arabische Regierung ein und kämpfte die große Mehrheit für die Unabhängigkeit der arabischen Gebiete, so war mit der Niederlage von Maysalun und der Flucht der Regierung Faisal 1920 der Traum zu Ende. Die Kolonialmächte begannen jetzt mit der Durchsetzung kolonialer Strukturen. Im Libanon waren schon französische Soldaten, Irak fiel gemäß dem Sykes-Picot Abkommen an Großbritannien, Syrien wurde Mandatsgebiet, Palästina Protektorat, ein Teil wurde zu Transjordanien, im anderen Teil verfolgten die Zionisten ihr Ziel der Staatsgründung.  Der Völkerbund segnete dies ab, was von einem Regierungsmitglied Faisals mit der "Überlegenheit des weißen Mannes" kritisiert wird.
Griechenland und die Türkei: Der Bevölkerungsaustausch und seine Folgen
Von Ellinor Morack
Anders als in Griechenland, wo die "ausgetauschten" Migranten seit den 20ern Jahren eine eigene Identität bewahrten, die sich aus ihrer kollektiven Erfahrung von Flucht, Vertreibung, Armut und Diskriminierung speiste, waren die "Ausgetauschten" in der Türkei bis in die 1990er Jahre praktisch unsichtbar. Heute meinen viele ihrer Nachkommen, die sich erst seit etwa fünfzehn Jahren in Kulturvereinen organisieren, der Austausch sei eine relativ "saubere" Migration gewesen. Aber ist das tatsächlich so? Gelang es wirklich, Menschen und Güter auf gerechte und humane Weise "auszutauschen"? Welche politischen, sozio-kulturellen und wirtschaftlichen Folgen hatte der Austausch für beide Länder?
 
Palästina/Israel
Das "System Oslo" und der Krieg gegen Gaza
Von Helga Baumgarten
Von Anfang Juli bis Ende August 2014 tobte Israels  Krieg gegen Gaza:  fünfzig Tage lang, vom 7. Juli bis zum Waffenstillstand am Abend des 26. August, bombardierte und beschoss die israelische Armee den Gaza-Streifen im längsten Krieg, den Israel je geführt hat. Die palästinensischen bewaffneten Organisationen, allen voran die der Hamas und des Islamischen Jihad, beschossen derweil Israel, meist mit selbstgebauten Raketen, die inzwischen Tel Aviv, Jerusalem und  Eilat erreichen. Die Opfer im Gazastreifen waren vor allem Zivilisten, zwischen 70 % und 80 % der über 2.100 Getöteten. Auf der israelischen Seite wurden  66 Soldaten in direkten Auseinandersetzungen mit palästinensischen Militanten getötet.  6 Zivilisten starben durch palästinensische Raketen. Die Asymmetrie dieses Krieges spiegelt sich in den Zahlen wieder und bedarf keiner näheren Erläuterung.
 
Wie Israel das internationale Recht durch "juristische Kriegsführung" aushöhlt
Von Jeff Halper
Operation  Protective Shield war nicht nur der militärische Angriff auf eine vorwiegend aus Zivilisten bestehende Bevölkerung. Wie in seinen vorangegangenen "Operationen" Cast Lead  im Jahre 2008/09 und Pillar of Defense im Jahre 2012, war es auch Teil eines andauernden Angriffes auf das humanitäre Völkerrecht (IHL) durch ein exzellent koordiniertes Team von israelischen Anwälten, Offizieren, PR- Leuten und Politikern, angeführt von einem Ethikphilosophen. Das Ziel der Bemühungen ist es nicht nur, zu verhindern, dass Israel wegen schwerer Verletzungen der Menschenrechte und internationaler Gesetze belangt werden kann, sondern auch, anderen Regierungen dabei zu helfen, derartige Einschränkungen zu umgehen, wenn auch sie sich in eine "asymmetrische Kriegführung", "Niederschlagung eines Aufstandes" oder "Terrorismusbekämpfung" gegen Menschen begeben, die sich gegen ihre Herrschaft wehren. Es handelt sich um eine Kampagne, die Israel "juristische Kriegsführung" nennt (lawfare).
 
Israels falsches Selbstverteidigungsargument
Von John Dugard
Israel behauptet, es handle im Gazastreifen in Selbstverteidigung und stellt sich damit als Opfer im aktuellen Konflikt dar. Präsident Obama und beide Kammern des U.S. Kongresses haben diese Rechtfertigung von Gewalt unterstützt. Aber handelt es sich hier um eine zutreffende Einschätzung der Situation? Gaza ist kein unabhängiger Staat wie etwa Libanon oder Jordanien. Israel akzeptiert das, bezeichnet den Gazastreifen jedoch als "feindliche Entität", ein Konzept, das so im Völkerrecht nicht existiert und das sich Israel auch nicht zu erklären bemüht.
Der Status des Gazastreifens: Er ist besetztes Gebiet!  Teil des besetzten palästinensischen Territoriums. 2005 zog Israel seine Siedler und die Armee aus dem Gazastreifen zurück, kontrolliert das Gebiet aber weiterhin, nicht nur durch wiederholte Einmärsche und regelmäßige Bombardierungen des Gebiets, sondern auch durch die faktische Kontrolle aller Grenzübergänge zum Gazastreifen, des Luftraums, territorialen Gewässer und des Bevölkerungsregisters, das bestimmt, wer das Gebiet verlassen und betreten darf.
 
Israelische Teenager: Rassistisch und stolz darauf
Von Or Kashti
"Für mich sind Araber etwas, was ich nicht anschauen und nicht ausstehen kann", sagt eine Schülerin einer 10. Klasse einer Highschool in der Landesmitte in einem furchtbaren Hebräisch. "Ich bin sagenhaft rassistisch. Ich komme aus einem rassistischen Zuhause. Wenn ich in der Armee die Gelegenheit bekomme, einen von ihnen zu erschießen, werde ich nicht darüber nachdenken. Ich bin bereit, jemanden mit meinen Händen zu töten, und dieser jemand ist ein Araber. In meiner Erziehung habe ich gelernt, dass ... ihre Erziehung es ist, Terroristen zu sein, und dass man ihnen nicht glauben kann. Ich lebe in einer Gegend von Arabern. Und jeden Tag sehe ich diese Ismaeliten, die an der [Bus] Haltestelle vorbeigehen und pfeifen. Ich wünsche ihnen den Tod." Dies ist der Kommentar einer Schülerin, festgehalten in dem demnächst erscheinenden Buch "Szenen aus dem Schulleben" (Hebräisch), von Idan Yaron und Yoram Harpaz. Anthropologische Beobachtungen in einer der "durchschnittlichsten Schule, die wir finden konnten", sagt Pädagogikprofessor Harpaz.
 
Samih al-Qasim (1939-2014)
Von Claudia Ott
Die Trauer ist groß um den Dichter Samih al-Qasim, der am 19. August 2014 nach langer Krebserkrankung im Alter von 75 Jahren in einem Krankenhaus in Safad/Galiläa starb. Er galt als letzter großer Leuchtturm der palästinensischen Widerstandsdichtung, die ägyptische Presse bezeichnete ihn als eine ihrer "Pyramiden".
Samih al-Qasim wurde am 11. Mai 1939 in Zarqa (heutiges Jordanien) geboren. Seine Familie stammte aus Rama/Galiläa und gehörte der drusischen Bevökerungsgruppe an, in der beide Großväter bedeutende Ämter innehatten: der eine Großvater war drusischer Imam von Rama, der andere einer der wichtigsten drusischen Rechtsgelehrten in Palästina. Samihs Vater war als Offizier bei den palästinensischen Grenztruppen stationiert, kehrte aber schon bald nach Samihs Geburt an die palästinensischen Küste zurück. Samih kehrte nach kurzem Auslandsstudium ebenfalls wieder in die Heimat zurück und arbeitete seit 1957 als Lehrer, Journalist und Redakteur. Einer Einberufung zum israelischen Militär - wie bei Drusen üblich - verweigerte er sich, was seinen ersten Gefängnisaufenthalt nach sich zog, dem viele weitere folgen sollten. Qasim war Gründungsmitglied der drusischen Jugendorganisation al-Ahrar und seit 1967 Mitglied der Kommunistischen Partei Israels. Seine politische Lyrik war anfangs eindeutig und offen. Nach 1967 emanzipierte sich der Dichter von den Vorgaben der poetischen Traditionen und schrieb daraufhin eher indirekte und mehrdeutige Lyrik. Seine Stilmittel wurden vielfältiger, er verfasste Prosa- und Dialoggedichte, Langgedichte, aber auch kurze, kryptische Epigramme.
 
Irak
Im Irak ? was meine Tante über die KIA-Frau weiß
Von Omar al-Jaffal
In der libanesischen Tageszeitung as-Safir  schreibt der irakische Publizist Omar al-Jaffal ironisch- distanziert über die Alltagsnöte der arbeitenden Frauen im Irak. Die Gesellschaft kann es sich nicht mehr leisten, auf die Ressource Frau im Kampf um den Lebensunterhalt zu verzichten. Dennoch wird den Frauen übel mitgespielt, tribale Strukturen wirken sich für sie äußerst belastend aus. Noch schlimmer wird ihre Situation durch die katastrophale Sicherheitslage und einen extrem rückschrittlichen Gesetzesentwurf der Regierung.
 
Von Anbar bis Ninawa:
Die Unterdrückung der Sunniten als Weichenstellung für den Islamischen Staat
Von Tyma Kraitt
Der Kampf gegen den Islamischen Staat (IS) bringt nun all jene Kräfte des Irak zusammen, deren gegenseitige und oftmals blutig ausgetragene Entfremdung die aktuelle Krise erst heraufbeschworen hat.
 
Syrien
Syrien ging das Erdöl aus - Ein Blick auf den Energiesektor und die verpassten Chancen
Von Konrad Schliephake
Das syrische Drama spielt sich am Rande der wichtigsten Erdölregionen der Welt ab, dem "Ölfleck auf dem Globus". Doch warum greifen die energiehungrigen Großmächte, die sich sonst überall für ungestörte Versorgung engagieren, nicht ein? Ist Syrien selbst ein wenig relevanter Randstaat mit uninteressanten Energiebilanzen? Unser anschließender Überblick zeigt ein durchwachsenes Bild von einem Land, das für die Welt-Energieversorgung (siehe Überblick bei Schliephake Energiewirtschaft weltweit, 2008) zwar weder regional noch global große Bedeutung besitzt, das aber eine der Drehscheiben des Energietransportes hätte sein können.
 
Westsahara
Westsahara ? Wie durch Ressourcen-Plünderung eine friedliche Konfliktlösung ausgehebelt wird
von Axel Goldau
Der Kolonialkonflikt um die Westsahara, Afrikas letzter Kolonie, wird immer unübersichtlicher, weil immer mehr Akteure in diesen Konflikt drängen: Das US-Unternehmen Kosmos Energy ist kurz davor, auf hoher See vor der Westsahara unter marokkanischer Lizenz nach Öl zu bohren. Die Bohrungen soll ein weiteres US-Unternehmen vornehmen, das eigens für diesen Zweck in Korea ein Spezialschiff hat bauen lassen. Da sich keine europäischen Seismik-Firmen mehr finden, rückt bereits ein chinesisches Unternehmen in die Hoheitsgewässer des fremd-verwalteten Gebietes Westsahara ein.
 
Sudan
Deutscher Jihad für Darfur: Der Sudan im Ersten Weltkrieg
Von Roman Deckert
Die Militarisierung der politischen Ökonomie im heutigen Sudan und Südsudan ist aus der Kolonialzeit erwachsen. Deutschland hatte seinen historischen Anteil daran. Kommt man als Deutscher in den Sudan, ist man schnell überwältigt von der dortigen Deutschfreundlichkeit. Diese beruht unter anderem auf der weitverbreiteten Wahrnehmung, dass Deutschland keine kolonialen Erblasten in dem Land zu verantworten habe. Dabei handelt es sich freilich um einen Irrtum, denn die deutsche Rolle im Sudan war zwar nicht so offensichtlich wie die anderer Großmächte, aber durchaus von zentraler Bedeutung.
 
Ökonomiekommentar
So wie Big Tobacco zielt Big Energy auf die Entwicklungsländer in Bezug auf künftige Profite
Von Michael T. Klare
Ein Anstieg von Kohlenstoffverkäufen an Nicht-OECD-Länder wird dazu beitragen, eine humanitäre Katastrophe apokalyptischen Ausmaßes zu schaffen.
 
Zeitensprung
Calouste Gulbenkian (Mister 5%) - Mittler zwischen Öl und Markt. Eine biographische Skizze
Von Konrad Schliephake
Auf der Flucht vor den Armenier-Massakern 1895/1896 lernte Calouste Gulbenkian in Alexandria seinen Landsmann Alexander Mantashev (armen.: A. Mantassian, 1842-1911) kennen, einen der reichsten Männer Russisch-Kaukasiens.  1904 trug er ihm die Idee zum Bau einer Erdölpipeline vor und so wurde 1907 die erste europäische Erdölpipeline fertiggestellt.
Als einer der ersten hatte Calouste Gulbenkian die kommende  Bedeutung des Rohstoffs Erdöl erkannt, und sorgte für Vertragswerke,  die den Lagerstätten-Ländern den Schutz der Ressource (und einen angemessenen Ertrags-Anteil) und den Förder-Konsortien das Risiko, die Vermarktung und gute Gewinne übertrug.  Nur in der damals noch verschwiegenen Szene der Erdölwirtschaft und in seiner armenischen Gemeinschaft war Calouste Gulbenkian ein bekannter Mann. Vielen heutigen Betrachtern der Energiewirtschaft sagt der Name nichts mehr. Doch sein Erbe lebt mit seinen Stiftungen und Museen und mit seinem Unternehmen Partex.

Ex Mediis
John B. Judis, Genesis. Truman, American Jews, and the Origins of the Arab/Israeli Conflict, New York, Farrar, Straus and Giroux, 2014, S. 432 (Malcolm Sylvers)
 
Georges Corm: Pour une Lecture Profane des Conflits. (Für eine profane Lektüre der Konflikte.) Paris La Dêcouverte 2012. 275 S., 19,50 ?.  (Werner Ruf)
 
Klas, Gerhard/Mader, Philip (Hg.): Rendite machen und Gutes tun? Mikrokredite und die Folgen neoliberaler Entwicklungspolitik, Campus Frankfurt New York, 2014 (Gabi Bieberstein)

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